Bundesagentur sieht Job-Boom mindestens bis 2009

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Nürnberg (dpa) - Nach einer kräftigen Frühjahrsbelebung im März sieht die Bundesagentur für Arbeit (BA) derzeit kein Ende des aktuellen Job-Booms.

"Selbst für das Jahr 2009 wird es aus heutiger Sicht keinen Abschwung geben, sondern eine Stabilisierung", betonte der BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise am Dienstag in Nürnberg. Im Herbst könnte die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 17 Jahren auf rund drei Millionen sinken, deutete Weise an. Für das Gesamtjahr 2008 rechnet die BA nun im Durchschnitt mit 3,43 Millionen Jobsuchern; bisher war sie von 3,5 Millionen ausgegangen.

Im März präsentierte sich der Arbeitsmarkt weitgehend unbeeinflusst von Finanzkrise und Dollar-Höhenflug. Nach Angaben der Bundesagentur sank die Zahl der Erwerbslosen um 110 000 auf 3 507 000. Die März-Arbeitslosigkeit fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Zahl der Erwerbslosen um 617 000. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 9,9 Prozent gelegen.

"Der Arbeitsmarkt wird weiterhin von der guten Konjunktur getragen. Weder der Wintereinbruch noch die aktuelle Finanzkrise beeinflusst im Moment die aktuelle Entwicklung auf dem Stellenmarkt", kommentierte BA-Chef Weise die jüngsten Daten. Der Rückgang sei zudem stärker als in den Vorjahren. "Von dieser Entwicklung profitieren nahezu alle Gruppen am Arbeitsmarkt: Frauen, Männer, Jüngere, Ältere, Langzeitarbeitslose", fügte Weise hinzu.

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt geht davon aus, dass der saisonbereinigte März-Rückgang der Arbeitslosigkeit von 55 000 zu rund zwei Dritteln auf das Konto der guten Konjunktur geht; das übrige Drittel sei überwiegend auf saisonale Effekte zurückzuführen. So würden im März in Außenberufen, zum Beispiel bei Gärtnereien, wieder verstärkt neue Kräfte eingestellt. Zudem hätten das sogenannte Kurzarbeitergeld und eine steigende Zahl von Qualifizierungsmaßnahmen zu der guten März-Entwicklung beigetragen, räumte Alt ein.

Die Medien-Einschätzung, der deutsche Arbeitsmarkt stehe angesichts aktueller Entlassungswellen bei mehreren großen Firmen "auf der Kippe", teilt die BA-Führung nicht. Es sei zwar richtig, dass manche große Firmen ihre Belegschaften verringerten, aber der Mittelstand stelle weiter kräftig ein, sagte Weise. In der Summe würden damit die Entlassungen von Großunternehmen überkompensiert.

Den positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt bestätigt auch die Zahl der Erwerbstätigen. Ihre Zahl stieg binnen Jahresfrist um 532 000 auf 39,63 Millionen im Februar. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag zuletzt (im Januar) mit 27,08 Millionen um 610 000 über dem Vorjahreswert. Kaum verändert hat sich trotz des nun schon zwei Jahre währenden Aufschwungs das Ost-West-Gefälle auf dem Arbeitsmarkt. Noch immer sind in Ostdeutschland bezogen auf die Zahl der Erwerbspersonen mehr als doppelt so viele Männer und Frauen arbeitslos wie im Westen.

Unterschiedlich bewerteten Regierung und Opposition die jüngsten Arbeitsmarktdaten. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich besonders erfreut über den neuerlichen Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit. Dies mache Mut und zeige, dass Vollbeschäftigung möglich sei. "Ich möchte, dass kein Bürger im Land länger als ein Jahr arbeitslos ist", erklärte Scholz. CDU- Generalsekretär Ronald Pofalla rief dazu auf, die "extrem erfreuliche" Beschäftigungsentwicklung durch weitere Reformen zu stärken. Dazu gehöre auch die "Entrümpelung der Arbeitsmarktpolitik".

Die Grünen machen allein Wetter und Konjunktur für die gute Arbeitsmarktentwicklung verantwortlich. Union und SPD hätten die Zeit des Konjunkturaufschwungs ungenutzt gelassen für notwendige Strukturreformen, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Brigitte Pothmer. Die Bundesregierung müsse endlich die Weichen für ein Ende von Armutslöhnen und eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für geringe Löhne stellen. Die Linke beklagte die wachsende Kluft zwischen den Arbeitsmärkten in Ost und West.

Der DGB wertete den Rückgang der Arbeitslosenzahl um 100 000 im März als positives Zeichen. Bei den weiteren Tarifverhandlungen müsse dennoch alles daran gesetzt werden, den Verteilungsspielraum voll auszuschöpfen, heißt es in einer Erklärung. Dagegen warnte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt davor, die Chancen auf den weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit zu verspielen. Mit Blick auf die "erfreuliche" Entwicklung am Arbeitsmarkt kritisierte er "politische Fehlentscheidungen": So sei es Gift für die Beschäftigung, wenn die Bundesregierung wie in der Renten- und Pflegeversicherung "neue teure Ausgabenprogramme" beschließe.

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