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Sparen lohnt sich kaum noch: In der aktuellen Niedrigzinsphase bekommen Sparer fast keine Zinsen mehr für ihr Geld. Die Situation auf dem Anleihenmarkt weist darauf hin, dass die Zinsen in Zukunft sogar noch weiter sinken.

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Bundesanleihen: Zinstief als böses Omen

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Frankfurt – Bundesanleihen rentieren so sehr wie nie zuvor. Vergangenen Woche rutschte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen auf ein historisches Tief.

Mit 1,08 Prozent werfen die Schuldtitel der Bundesrepublik so wenig Zinsen ab wie noch nie. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die Ein-Prozent-Marke testen“, sagte ein Händler. Der Zins für zweijährige Schatzanweisungen des Bundes fiel beinah zeitgleich sogar unter null Prozent – erstmals seit Frühjahr 2013. Anleger nehmen auf der Suche nach Sicherheit mittlerweile sogar einen Minuszins in Kauf.

Das ist eine beachtliche Entwicklung, da es in der deutschen Wirtschaft eigentlich rund läuft. Für sich genommen spricht das eher für steigende Zinsen. Warum also sind die Zinsen für Bundesanleihen auf Sinkflug? Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Der erste liegt in der Politik: Die zahlreichen Krisen auf der Welt treiben viele Investoren wieder vermehrt in als sicher geltende Anlagen, zu denen Schuldtitel des Bundes gehören. An Konfliktherden herrscht wahrlich kein Mangel, angefangen von der Krise in der Ukraine (siehe unten) über den Gaza-Krieg bis hin zu schweren Unruhen im Irak oder in Syrien.

Wichtiger noch als die Weltpolitik wiegt in den Augen vieler Beobachter aber ein anderer Grund: die Geldpolitik. Seit Monaten fließt viel Geld in die Anleihemärkte, weil wichtige Zentralbanken ihre Geldpolitik locker halten. Dazu gehört neben der Europäischen Zentralbank (EZB) in erster Linie die amerikanische Notenbank Fed. Noch immer pumpt die Federal Reserve Monat für Monat milliardenschwere Summen in die Finanzmärkte. Darüber hinaus liegen die Zinsen nicht nur in den USA und im Euroraum, sondern auch in Großbritannien und Japan an oder knapp über der Nulllinie. Das billige Geld findet seinen Weg auch an den Anleihemarkt. Die in vielen Industrienationen schwache Inflation tut ihr übriges, dass das Zinsniveau niedrig bleibt.

Eine Trendwende seitens der EZB ist nicht in Sicht. Die Notenbank werde „auch weitere unkonventionelle Maßnahmen einsetzen“, falls das notwendig werde, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Donnerstag nach der EZB-Ratssitzung.

Deutsche Bundesanleihen spürbar niedriger als Schuldtitel anderer großer Länder

Dass deutsche Bundesanleihen noch spürbar niedriger als Schuldtitel anderer großer Länder rentieren, liegt vor allem in der absehbaren Geldpolitik: Von den Notenbanken Großbritanniens und der USA wird erwartet, dass sie wesentlich früher als die EZB mit Zinsanhebungen beginnen. Deswegen werfen zehnjährige britische und amerikanische Staatsanleihen jeweils etwa 2,5 Prozent ab. Ihre effektive Verzinsung liegt also mehr als doppelt so hoch wie der Zins von Bundesanleihen.

Die jüngste Entwicklung am Anleihenmarkt deutet zudem auf ein Phänomen hin, das in der Vergangenheit recht zuverlässig eine Rezession vorhergesagt hat: Die Tatsache, dass die Renditen für Anleihen mit zweijähriger Laufzeit in der vergangenen Woche negativ wurden, während Papiere mit kürzerer Laufzeit weiterhin Zinsen abwarfen.

Während Investoren für Geld, das sie dem Finanzminister für 24 Monate überließen, draufzahlen mussten (minus 0,001 Prozent), erhielten sie für eine Laufzeit von 12 Monaten noch 0,014 Prozent Zins, für neun Monate sogar 0,024 Prozent. Höhere Zinsen für kürzere Laufzeiten also. Experten sprechen hier von einer „inversen Zinskurve“, von „umgekehrten Verhätnissen“. Denn normalerweise verlangen Geldgeber um so höhere Zinsen, je länger sie einen Kredit gewähren. Der Kreditgeber muss schließlich die Geldentwertung durch die Inflation einrechnen. Dieser Effekt ist um so größer, je länger das Geld verliehen wird. Zudem lässt sich schwerer vorhersagen, in welcher finanziellen Verfassung ein Land in zehn Jahren ist als in zwei.

Erklärt wird eine inverse Zinskurve grundsätzlich damit, dass für die Zukunft weiter fallende Zinsen erwartet werden, weswegen die Anleger vorzugsweise in langlaufende Papiere investieren, um sich die höheren Zinsen zu sichern. Die Kurse kurzlaufender Anleihen sinken oder steigen langsamer, wodurch deren Renditen steigen oder langsamer fallen als die der Langläufer. Ein Indiz für einen baldigen konjunkturellen Abschwung.

mad/dpa

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