Bundesbank: Billige Villen für Chefs

- München - Die Institution war jahrzehntelang ein Symbol für die Wertbeständigkeit der Mark. Sie galt als Garant für die wirtschaftliche Stabilität der Bundesrepublik und stand für überaus seriöses und glaubwürdiges Management. Mit der Hotel-Affäre um den Ex-Präsidenten Ernst Welteke (siehe Kasten) hat dieser Ruf schweren Schaden genommen. Doch nun zeigt sich: Die Selbstbedienungsmentalität in der Chefetage der ehemaligen Notenbank in Frankfurt reicht viel weiter in die Vergangenheit zurück.

Nach einem Bericht des Magazins "Euro" hat die Bundesbank über Jahrzehnte auf Kosten der Staatskasse ihren Spitzenkräften Villen und Häuser zu vergünstigten Konditionen bereitgestellt. Dort konnten sie auch nach ihrem Ausscheiden aus der Bank wohnen bleiben. Dies hätten die früheren Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl und Hans Tietmeyer bestätigt. Für beide habe die Bundesbank Villen in bester Lage gebaut.<BR><BR>Die Vergünstigungen, die die Bank außer ihren Führungskräften auch vielen weiteren Mitarbeitern eingeräumt habe, hätten den in die Staatskasse fließenden Gewinn der Notenbank reduziert. Die Bundesbank räumte dem Bericht zufolge lediglich ein, sie habe in einigen Fällen für ihre Präsidenten und Vizepräsidenten Häuser erworben und gebaut, wenn bei Amtsantritt kein geeignetes Wohnobjekt zur Verfügung gestanden habe.<BR><BR>Pöhl habe dem "Handelsblatt" aber bestätigt, es sei Tradition gewesen, dass die Bank nicht nur für ihre Präsidenten und Direktoriumsmitglieder, sondern auch für die Landeszentralbankpräsidenten Villen gebaut habe.<BR><BR>Die Anwesen seien in den Frankfurter Nobelvororten Königstein und Kronberg errichtet worden. Seit 1980 seien sieben von insgesamt 20 Direktoriumsmitglieder über ihre Amtszeit hinaus in ihren Villen wohnen geblieben. Die Aufdeckung des erneuten Bundesbank-Skandals stößt auf Schwierigkeiten. Die Notenbank verweist auf das Steuergeheimnis und den Datenschutz, der Bundesrechnungshof darf nach eigenen Angaben zum Schutz der geprüften Stelle Prüfungsergebnisse nicht rausgeben.<BR><BR>Ex-Präsident Ernst Welteke allerdings hatte noch im September gegenüber dem Handelsblatt erklärt, dass der Rechnungshof seit Jahren darauf dränge, dass die Bundesbank ihren Immobilienbestand reduziere.<BR><BR>Auch die früheren Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl und Hans Tietmeyer bestätigten die Dienstvillen für alle Direktoriumsmitglieder auch nach ihrem Ausscheiden. Beide profitierten selbst von den Vergünstigungen - allerdings mit deutlichen Einschränkungen: Tietmeyer drängte nach eigenen Angaben beim Bau des Hauses auf eine bescheidenere Lösung und er kaufte das von ihm bewohnte Haus drei Monate nach Ende seiner Amtszeit zum vollen Verkehrswert. Auch Pöhls ehemaliges Haus wurde mittlerweile verkauft. Es ging 2001 an die Europäische Zentralbank (EZB). Dabei verhielt sich die Bundesbank offenbar erneut großzügiger, als es öffentlichen Stellen in Deutschland erlaubt ist. Die EZB bestätigte einen "sehr fairen Preis". 

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