Bundesbank hält Rezessionsängste für übertrieben

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Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bundesbank hält Rezessionsängste mit Blick auf die deutsche Wirtschaft für übertrieben und warnt vor Schwarzmalerei.

"Es gibt keinen Grund, die mittelfristigen Aussichten in so düsteren Farben zu malen, wie es einige der professionellen Auguren nun tun", sagte Bundesbank- Präsident Axel Weber in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" (Online-Dienstagsausgabe). Die deutsche Wirtschaft müsse nur eine Durststrecke überstehen. Allerdings werde die Inflation weiter hoch bleiben. Auch die Finanzmarktkrise könnte noch "bis weit ins nächste Jahr" andauern.

Für das laufende Jahr erwartet der Währungshüter unter dem Strich ein Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts von knapp zwei Prozent, für das kommende Jahr rechnet Weber mit einem Plus von einem Prozent. "Man sollte aber mit Blick auf eine gedämpfte Entwicklung bis in den Herbst nicht schon das Gespenst einer Rezession an die Wand malen", betonte Weber. Viele Ökonomen hatten die Wirtschaftsaussichten deutlich pessimistischer beurteilt.

Die starke Abkühlung der Konjunktur im zweiten Quartal ist nach Ansicht von Weber nicht überraschend. Dahinter stecke auch eine technische Gegenreaktion auf den überaus starken Jahresauftakt, der von Sondereffekten überzeichnet worden war. Zudem seien in den Frühjahrsmonaten die Belastungen für die Wirtschaft - vor allem die hohen Energiepreise - stärker gewesen als erwartet.

Auch die Bundesbank rechnet deshalb mit einem Wachstumsrückgang im zweiten Quartal. Dieser könnte etwas stärker als erwartet ausfallen, sagte Weber. Bisher waren die Währungshüter von einem Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen - die meisten Volkswirte rechnen inzwischen mit einem deutlichen Schrumpfen der Wirtschaft um 0,8 Prozent. Im ersten Quartal war die Wirtschaft robust um 1,5 Prozent gegenüber Vorquartal gewachsen. Im Lauf des nächsten Jahres werde sich die deutsche Konjunktur aber wieder erholen - auch dank des stärkeren privaten Konsums, sagte Weber. Konjunkturprogramme lehnt der Bundesbankpräsident daher ab.

Weber rechnet nicht damit, dass die Teuerungsrate im Euroraum in diesem oder im kommenden Jahr wieder unter die Stabilitätsgrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent sinken wird. Der Bundesbankchef zeigte sich damit eine Spur pessimistischer als EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der in der vergangenen Woche erklärt hatte, die Inflationsrate werde noch einige Zeit hoch bleiben und sich 2009 langsam abschwächen. Weber ist Mitglied im EZB-Rat und entscheidet über die Zinsen mit.

Die schwere Krise an den Finanzmärkten wird nach Ansicht von Weber noch so lange andauern, bis der amerikanische Immobilienmarkt - wo das Unheil begann - seinen Boden gefunden hat. "Das könnte bis weit ins nächste Jahr hinein andauern", sagte Weber. Die Währungshüter machen sich derzeit vor allem Sorgen, dass die Turbulenzen und Kreditausfälle noch weitere Segmente des Bankengeschäfts erfassen könnten. Dazu zählen zum Beispiel Konsumenten- und Studentendarlehen in den USA.

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