Bundesbank sieht Erholung

- Frankfurt/Main - Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der Bundesbank seit Sommer auf Erholungskurs und hat die Stagnation überwunden. Starke Impulse habe die Industrie gegeben, während der Konsum weiter schleppend verlaufe. "Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im dritten Quartal saison- und kalenderbereinigt deutlich gewachsen sein", schreibt die Notenbank in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht.

Die Mehrheit der Wirtschaftsforschungsinstitute rechnet mit einem Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Frühjahr war die Wirtschaft mit 0,0 Prozent nicht voran gekommen.

Die Industrie profitierte im Sommer von der starken Auslandsnachfrage. Der Exportboom habe rechnerisch aber nur begrenzt zum Wachstum beigetragen, weil die Importe infolge der hohen Ölpreise stiegen. Die Unternehmen haben laut Bundesbank wieder mehr in Anlagen und Ausrüstung investiert. Auch die Bauaktivitäten übertrafen das Vorquartal. Sorgenkind bleibe der private Konsum, der nach wie vor nicht anziehe.

Die genauen Daten für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 15. November. Die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 0,8 Prozent.

Von der Bundesregierung verlangte die Bank einschneidende Reformen zur Sanierung der öffentlichen Haushalte. "Deutschland sollte alles unternehmen, um die Defizitgrenze im kommenden Jahr wieder einzuhalten", schreibt die Bundesbank. Notwendig sei ein umfassendes Reformpaket, das für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt sorge und auch die Sozialversicherungssysteme einschließe. Das Wachstum der Ausgaben müsse um zwei Prozentpunkte hinter dem der Einnahmen zurückbleiben. Nach Einschätzung der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wird Deutschland im kommenden Jahr zum fünften Mal in Folge die Defizitgrenze der Europäischen Union von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten.

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