Bundesbank sieht bis zu 1,5 Prozent Wachstum

- (Frankfurt/Mannheim) - Die Deutsche Bundesbank rechnet für das kommende Jahr mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum, sieht aber noch keine Trendwende am Arbeitsmarkt. Die Konjunkturprognose für Deutschland liege 2005 kalenderbereinigt bei 1,3 Prozent, aber auch 1,5 Prozent seien "im Bereich des Möglichen", sagte BundesbankPräsident Axel Weber am Dienstag in Frankfurt. Damit liegt die Bundesbank mit ihrer Prognose unter der der Bundesregierung, die für 2005 mit 1,7 Prozent Wachstum rechnet.

<P>Anzeichen für eine leichte Konjunkturerholung sieht auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Nach der am Dienstag in Mannheim veröffentlichten monatlichen Umfrage des ZEW ist der Index der Konjunkturerwartungen von 13,9 Punkten im Vormonat auf 14,4 Punkte gestiegen. Zuvor war das Konjunkturbarometer vier Monate in Folge gesunken. "Angesichts der starken Wechselkurs- und Ölpreisänderungen ist die weitere Entwicklung nach wie vor durch Risiken gekennzeichnet", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Gleichwohl besteht kein Anlass, die Erwartungen einer leichten Konjunkturerholung im nächsten Jahr zu revidieren."<BR><BR>Bundesbank-Präsident Weber erklärte, der Arbeitsmarkt werde sich durch die Reformen zwar insgesamt verbessern, allerdings sei wegen der statistischen Effekte von Hartz IV im Schnitt mit einer höheren Arbeitslosigkeit als noch in diesem Jahr zu rechnen. Die Abschwächung des Aufschwungs im dritten Quartal 2004 in Deutschland sei "keineswegs überraschend und dramatisch". Das ruhigere Exportgeschäft habe sich bereits abgezeichnet. Für ganz 2004 rechne er mit einem kalenderbereinigten Wachstum von 1,2 Prozent. Der hohe Ölpreis sei heute eine geringere Bedrohung als in den vergangenen Jahrzehnten. Dennoch würde die Bremswirkung des Ölpreises dazu führen, dass die deutsche Wirtschaft "ohne Schwung" ins neue Jahr starte.<BR><BR>Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilten die Experten in der ZEW-Umfrage in diesem Monat ungünstiger. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage sank von minus 57,8 Punkten auf minus 64,2 Punkte. Das ZEW befragt monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung.<BR><BR>Weber sagte an die Adresse der Bundesregierung, das angepeilte Einhalten der Defizitgrenze von drei Prozent für 2005 sei aus seiner Sicht nicht gesichert. Wenn überhaupt, werde es zu einem guten Teil durch Einmaleffekte erreicht, deren Verbuchung gemäß den MaastrichtKriterien aber ungewiss sei. Die öffentlichen Haushalte befänden sich in einer "Besorgnis erregenden Schieflage". Die Regierung solle den Haushalt weiter konsolidieren, Subventionen abbauen und Steuerhinterziehung noch stärker bekämpfen.</P>

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