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Bundesbankchef Jens Weidmann

Bundesbankchef Weidmann bekräftigt Inflations-Obergrenze

Berlin - Bundesbankchef Jens Weidmann hat Spekulationen zurückgewiesen, die deutsche Notenbank werde künftig höhere Inflationsraten akzeptieren.

Der rasante Anstieg der Kraftstoffpreise hält die Inflation in Deutschland über der Warnschwelle von zwei Prozent. Der Angst der Deutschen um ihre Ersparnisse trat die Bundesbank am Freitag aber entschieden entgegen. “Als Präsident der Deutschen Bundesbank trete ich auch gegen Widerstände unverrückbar für Geldwertstabilität ein“, betonte Notenbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

Zwar hat die Deutsche Bundesbank ihre Inflationsprognose von 1,8 Prozent für das laufende Jahr angesichts der anziehenden Energiepreise inzwischen kassiert. Sie erwartet nun, dass die Teuerungsrate im Jahresschnitt “leicht über zwei Prozent“ liegen wird.

Mittelfristig werde die Europäische Zentralbank (EZB) aber alles dafür tun, ihr Ziel einer Jahresteuerung von knapp unter 2 Prozent einzuhalten, versprach Weidmann: “Damit wird dieses Ziel auch weiterhin erreichen können, dürfen wir dem Druck der Politik und der Märkte, mit immer mehr Geld die Probleme des Euro-Raums zu lösen, nicht nachgeben.“

Spekulationen um einen Kurswechsel hin zur Duldung einer höheren Inflation wies Weidmann entscheiden zurück: “Der beste Beitrag, den eine Notenbank zum Wirtschaftswachstum leisten kann, ist es, für stabiles Geld zu sorgen.“

Zuletzt war über den Abschied der Notenbank vom Ziel stabiler Preise spekuliert worden. Die Bundesbank hatte im Finanzausschuss des Bundestages vorhergesagt, dass Deutschland künftig in der Eurozone eher überdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen dürfte. Die Notenbank begründete dies mit den unabdingbaren Reformen in Krisenstaaten der Eurozone, um die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder im Vergleich zu Deutschland zu erhöhen. Dazu gehört auch, dass die Löhne im konjunkturell robusten Deutschland in den kommenden Jahren stärker zulegen dürften als in Krisenländern, deren Produkte am Weltmarkt zu teuer sind.

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Aktuell ziehen die Preise im Euroraum aber noch stärker an als in Deutschland. Im April mussten die Verbraucher hierzulande durchschnittlich 2,1 Prozent mehr für Waren und Dienstleistungen zahlen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Damit lag der Preisauftrieb etwas höher als zunächst ermittelt. Ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung bei Energie hätte die jährliche Teuerung im April allerdings bei 1,5 Prozent gelegen.

Wie die Statistiker betonten, verharrt die Inflationsrate bereits seit Februar 2011 über der Zwei-Prozent-Marke, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) Preisstabilität gewahrt sieht. Im Vergleich zum März hat sich die Inflationsrate aber nicht verändert.

Preistreiber Nummer eins war auch im April die Energie. Insgesamt stiegen die Energiepreise im Jahresvergleich um 5,8 Prozent. Besonders stark ziehen weiterhin die Preise für Kraftstoffe an: Superbenzin verteuerte sich binnen Jahresfrist um 7,0 Prozent, Diesel um 4,5 Prozent. Gegenüber dem März erhöhten sich die Spritpreise im April um 1,2 Prozent und erreichten einen neuen Höchststand, wie die Statistiker errechneten.

Gegenüber dem März 2012 stiegen die Verbraucherpreise den Angaben zufolge um 0,2 Prozent. Zunächst war hier ein Wert von 0,1 Prozent ermittelt worden.

Aus Sicht von Commerzbank-Experten lassen die steigende Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft und der dadurch angeschobene stärkere Lohnanstieg befürchten, dass die Verbraucherpreise auch mittelfristig um mehr als 2 Prozent pro Jahr steigen werden: “Da die EZB aus Rücksicht auf die Probleme der Peripherieländer auf diese Risiken in Deutschland wohl nicht reagieren wird, dürfte die Inflation langfristig höher ausfallen als im letzten Jahrzehnt.“

dpa

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