Bundesbank-Gold: Kratzen an Tresor-Tür geht weiter

- Frankfurt - Regelmäßig geht ein Aufschrei durch das Land, wenn die Politik die Goldreserven der nahezu unantastbaren Bundesbank ins Spiel bringt. Der jüngste Vorstoß von SPD und Grünen, einen Teil des "Bundesbank-Goldschatzes" zu heben und mit den Verkaufserlösen Projekte in Forschung und Bildung zu finanzieren, stößt überraschend weitgehend auf Zuspruch.

<P>Einige Unionspolitiker warnen reflexartig vor dem Ansinnen. Aber selbst die Bundesbank ist aufgeschlossen, hat sie doch selbst einen über Goldverkäufe finanzierten Fonds für Forschungsprojekte angeregt.</P><P>Der "Goldschatz" der Bundesbank, angelegt vor allem in den 50er- und 60er-Jahren angelegt, lagert nicht in einem einzigen dicken Tresor. Die mit rund 3440 Tonnen zweitgrößten Goldreserven der Welt verteilen sich auf mehrere Standorte im In- und Ausland. Eigentlich handelt es sich um stillgelegtes Vermögen, das allenfalls rein buchhalterisch seit der Neubewertung 1999 zur Euro-Einführung mit rund 36 Milliarden Euro in der Bilanz für 2002 steht. Der Gewinn bei einem theoretischen Komplettverkauf, der sich aus der Differenz zwischen Anschaffungs- und Marktpreis ergibt, würde bei 28 Milliarden Euro liegen. Bei einem Kilo-Goldpreis wie den kürzlich 10 690 Euro beträgt der Brutto-Erlös rein rechnerisch 37 Milliarden Euro.</P><P>Die Politik, die keinerlei Handhabe hat, die Bundesbank zu Verkäufen zu zwingen, wirft nicht das erste Mal ein Auge auf die Goldreserven der Notenbanker. So ist etwa der frühere Finanzminister Theo Waigel (CSU) 1997 mit dem Versuch gescheitert, den Haushalt über eine Höherbewertung der Goldreserven zu entlasten und das öffentliche Defizit vor der Europäischen Währungsunion zu reduzieren. Nach der Jahrhundertflut im Sommer 2002 sollten die Milliarden für einen Notfonds fließen. Ex-Bundespräsident Roman Herzog schlug kurz vor, mit dem Bundesbankgold einen Systemwechsel im Gesundheitswesen zu finanzieren.</P><P>Die Bundesbank selbst will auch angesichts des anhaltenden Höhenflugs beim Goldpreis einen Teil der Reserven anders anlegen, die Gewinne aus Verkäufen aber keineswegs mit dem Finanzministerium teilen. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte zu verstehen gegeben, dass er die aufgelösten Reserven ungern als Gewinn an den Bund abführen wolle. Statt das Gold einmalig zu versilbern, will er das Vermögen erhalten. So brachte Welteke die Idee ins Spiel, die Milliardenerlöse in eine Stiftung zu stecken, die Forschungs- und Bildungsprojekte finanziert.</P>

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