Der Bundesfinanzminister warnt

- München - Ähnlich wie auf der Zigarettenschachtel steht demnächst im Verkaufsprospekt eines Dach-Hedgefonds der Warnhinweis: "Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesem Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen."

<P>Das fordert - "drucktechnisch hervorgehoben" - das am 1. Januar diesen Jahres in Kraft getretene Investmentmodernisierungsgesetz. Die dazu erforderlichen Mustervertragsbedingungen genehmigte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erst diese Woche.<BR><BR>Öffentlich dürfen nur Dach-Hedgefonds Privatpersonen angeboten werden. Wer einen einzelnen Hedgefonds haben will, muss gezielt danach fragen - dann bekommt er ihn auch. Der deutsche Gesetzgeber bezeichnet Hedgefonds als "Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken".<BR><BR>Das Besondere an den Hedgefonds ist, dass sie keine Beschränkungen in der Wahl ihrer Anlagen haben. Das heißt, der Hedgefonds-Manager kann wirklich mit allem spekulieren, was der Markt so hergibt, inklusive Terminkontrakte auf Schweinebauchhälften in Chicago.<BR><BR>Was ist Ziel und Zweck eines Hedgefonds? "Ein Hedgefonds will während eines Jahres positive Renditen erzielen, unabhängig vom Markt", erklärt Lutz Overlack, Direktor von Fund-Market Deutschland. Dazu kann er verschiedene Strategien einsetzen, zum Beispiel Leerverkäufe von Aktien oder auch den Kauf von Wertpapieren auf Kredit. </P><P>Langfristig verfügen laut Overlack einige Hedgefonds über ein sehr gutes Risiko-/Ertragspotenzial. Zudem könnten sie einen Teil des Portfolios in schwachen Börsenphasen "schützen", ohne weitere Transaktionen vorzunehmen.<BR>Zirka zwei Prozent der Hedgefonds gingen jedes Jahr Pleite. Weltweit gab es 2002 etwa 8000 Hedgefonds mit einem Vermögen von 600 Milliarden US-Dollar.<BR><BR>Beim Verband der deutschen Investmentbranche BVI heißt es, dass es zwar Hedgefonds gebe, die sehr risikoreich - weil kreditfinanziert -, andere aber weniger riskant als mancher Aktienfonds seien. Im Übrigen könne der mündige Anleger auch andere hoch spekulative Produkte wie Knock-out-Zertifikate oder Optionsscheine ohne weiteres erwerben.<BR><BR>Gleichwohl raten Experten in der Branche, allenfalls fünf bis zehn Prozent des Depotwertes als "Beimischung" in Hedgefonds zu stecken. Viele Geldberater halten die neu zugelassenen Produkte für die breite Masse der Anleger für ungeeignet.<BR><BR>Auch das deutsche Steuerrecht hat einige Fallstricke für Hedgefonds-Anleger ausgelegt. So würden laut Rechtsanwalt Wilhelm Nolting-Hauff mindestens sechs Prozent des letzten Rücknahmepreises pro Jahr versteuert werden - also auch bei Verlusten. "Die steuerlichen Anforderungen sind faktisch ein weiteres Hindernis für Hedgefonds besonders aus dem Ausland", sagt Nolting-Hauff.</P><P> Das könne zu einem "Qualitätsproblem" führen. "Ob ausgerechnet die hervorragenden ausländischen Fondsmanager in der Lage und willens sein werden, sich den künftigen deutschen Zulassungsvorgaben und steuerlichen Dokumentationspflichten zu unterwerfen bleibt fraglich", warnte schon vor der Gesetzesverkündigung der Finanzdienstleister Hedgefonds.de. <BR><BR>Eigentlich sollte das neue Investmentgesetz auch den Finanzplatz Deutschland attraktiver machen. Doch als Erste beantragte die Fondsgesellschaft Dit, eine Allianz-Dresdner-Tochter, trotz der freizügigeren Gesetzgebung Ende Februar zwei Dach-Hedgefonds in Luxemburg. Eine Schlappe für den konkurrierenden Finanzstandort Frankfurt. Union Investment (Genossenschaftsbanken) hat schon seit dem 1. Januar 2003 einen Dach-Hedgefonds in Luxemburg aufgelegt und die Zulassung für Deutschland bei der Bafin beantragt. Die anderen deutschen Fondsgesellschaften wollen demnächst nachziehen.<BR><BR>Kurioserweise warnt der Bundesfinanzminister ausdrücklich nur vor "Dach-Sondervermögen", welche die Risiken auf mehrere Fonds verteilen sollen. Im Verkaufsprospekt eines Einzel-Hedgefonds muss die Warnung nicht stehen.<BR><BR></P>

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