Bundeskanzler greift Bosse an: Gehälter zu hoch

- Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder polemisiert gegen seine Freunde aus der Wirtschaft. Der "Genosse der Bosse" kritisierte in der "Bild am Sonntag" die Erhöhung von Manager-Gehältern in schlechten Zeiten.

<P>1,25 Millionen Euro verdient im Durchschnitt der Vorstand eines Dax-Unternehmens. Das Jahresgehalt eines Daimler-Chrysler-Vorstands beträgt 3 694 545 Euro, der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp bekommt deutlich mehr. Beim Chipproduzent Infineon sind es "nur" 278 261 Euro. Und dies, obwohl die Geschäfte vieler großer deutscher Konzerne nicht besonders gut laufen.<BR><BR>Bundeskanzler Gerhard Schröder verlangte in dem Interview, die Manager-Gehälter künftig strikt an den Unternehmenserfolg zu koppeln. "Wer erfolgreich ist, soll ordentlich verdienen", billigte der SPD-Chef den Unternehmern zu. "Aber wenn das nicht der Fall ist, müssen die Gehälter auch kräftig sinken."<BR><BR>Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte es noch drastischer. "Das ist ein obszöner Vorgang: An einem Ende verlangt man unvermeidliche Einbußen, am anderen steigen die ohnehin schon irrsinnigen Gehälter der Vorstandsmitglieder noch weiter", wetterte der SPD-Vize.<BR><BR>Mit scharfen Worten griff Schröder auch prominente deutsche Steuerflüchtlinge an. "Wir können die Freizügigkeit nicht einschränken, aber wir sollten dieses Verhalten gesellschaftlich ächten", sagte der Kanzler. Er bekräftigte: "Solche Leute verhalten sich unpatriotisch." Die Steuerflucht prominenter deutscher Sportler stufte er "in dieselbe Kategorie" ein. </P><P>"Diese Leute nehmen alle Annehmlichkeiten dieses Landes in Anspruch", sagte Schröder. "Polizei, Schulen, Universitäten, Straßen und Schienen - das alles wird doch aus Steuergeldern bezahlt, und das darf nicht nur eine Sache der kleinen Leute sein."<BR></P>

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