Bundesliga-Übertragung: Premiere gelingt Schadensbegrenzung

- München - Georg Kofler ist wieder gut gelaunt. "Das Premiere-Arena-Angebot ist eine gute Nachricht für Hunderttausende von Fußballfans und insbesondere für die Abonnenten von Premiere", jubelte der Chef des Münchner Bezahlsenders nach dem überraschenden Schulterschluss mit der Konkurrenz.

Vor einem halben Jahr hatte Arena dem Platzhirsch die Senderechte an der Bundesliga weggeschnappt und Premiere damit in eine tiefe Krise gestürzt. Nun tun sich beide zusammen, was vor allem für Premiere sichtbar von Vorteil ist.

Um rund ein Drittel legte die Premiere-Aktie bei Bekanntwerden zeitweise zu. Über zehn Euro und damit rund ein Viertel im Plus notierte sie auch später noch. "Damit ist das Kündigungsrisiko für Premiere deutlich gesunken", erklärte ein Analyst von Sal Oppenheim diese Reaktion. Denn von den 3,5 Millionen Kunden, die Premiere zuletzt abonniert hatten, könnten mehrere hunderttausend und bis zu einer Million wegen des Verlustes der Bundesligarechte abspringen, schätzten zuletzt Branchenkenner. Durch die Kooperation mit Arena sei dieses Risiko nun um mindestens ein Viertel geringer, sagen Börsianer. Von alten Höhen ist das Papier freilich weit entfernt. Nach dem Börsengang im vergangenen Jahr notierte die Aktie zeitweise über 30 Euro.

35 Millionen TV-Haushalte gibt es hierzulande. Davon erreicht Premiere ab der neuen Bundesligasaison knapp zehn Millionen über die Durchleitung des Arena-Angebots (siehe auch Fernseh-Seite). Experten schwärmen zudem von gemeinsamen Vermarktungsmöglichkeiten von Arena und Premiere. Um wirklich berechnen zu können, für wen sich die Kooperation in welchem Ausmaß rechnet, müsste man aber die Details der Vereinbarungen kennen, warnen Börsianer. Die geben Arena und Premiere nicht preis.

Klar ist, dass Premiere für jeden eigenen Kunden, der künftig Bundesliga schaut, an Arena einen Festbetrag abführen muss. Im Falle anderer Arena-Vertriebspartner kursieren hier offiziell unbestätigte Summen von 10,80 Euro je Abonnent. Entscheidend für die Vertragsdetails zwischen Arena und Premiere dürfte sein, bei wem die Not am größten war, sagen Kenner der Szene. "Arena war noch nicht richtig im Spiel und brauchte Unterstützung von Premiere", meinte ein Analyst.

Denn zuletzt drohten TV-Kabelkunden in 13 Bundesländern bei Bundesliga live schwarz zu sehen. Außerhalb Baden-Württembergs, Hessens und Nordrhein-Westfalens sind diese an die Netze der größten heimischen Kabelnetzfirma Kabel Deutschland (KDG) angeschlossen. Die hat mit Arena seit Monaten um Preise und Konditionen gezockt. "Irgendwann muss man über seinen Schatten springen, KDG hat uns auflaufen lassen", kommentierte ein Arena-Insider die Kooperation mit dem Pay-TV-Rivalen Premiere.

In nur drei Tagen habe man mit dem die Sache durchverhandelt. Nur so konnte Premiere den Verlust von Kunden in letzter Minute in Grenzen halten. Die 44 000 Abonnenten, die zum ersten Quartal 2006 gekündigt hatten, galten erst als Vorgeschmack auf größere Abbestellungen.

Auch die jüngste Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, die über Premiere im Internet die Übertragung von Bundesligaspielen zeigt, galt hierfür nicht als Ausgleich. Denn die neue Technologie steht erst am Anfang und kann wohl vorerst nur wenige Kunden ansprechen. "Beiden Seiten ist nun geholfen", meinte ein Branchenkenner mit Blick auf Arena und Premiere.

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