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Bundesnetzagentur warnt vor Stromlücke im Winter

Bonn - An kalten Wintertagen kann es nach Einschätzung der Bundesnetzagentur mit der Stromversorgung brenzlig werden - vor allem in Süddeutschland. Abgeschaltete Kernkraftwerke sollen als kalte Reserven für den Notfall dienen.

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Mit dem bevorstehenden Aus für die älteren Kernkraftwerke könnte das Stromnetz in diesem Winter in eine kritische Lage geraten. Die Bundesnetzagentur warnte am Freitag, in den Wintermonaten könnte vor allem in Süddeutschland die Versorgung an einem kalten Tag kritisch werden, wenn keine erneuerbaren Energien verfügbar wären und außerdem die Nord-Südleitung ausfalle. Der Präsident der Agentur, Matthias Kurth, empfahl daher, die Option offen zu halten, Kernkraftwerke wieder aufschalten zu können. Andernfalls sei nicht auszuschließen, dass die Netzbetreiber einzelne Großverbraucher vom Netz nehmen müssten, um die Stabilität des Stromnetzes zu garantieren.

Durch das Ende der alten Atommeiler gehen zirka 8500 Megawatt in der Erzeugung dauerhaft verloren. Von der Abschaltung ist besonders der Süden Deutschlands betroffen, der dann zusätzlich mit Strom aus dem Norden versorgt werden muss. Vor wenigen Tagen hatten die Übertragungsnetzbetreiber die Alarmglocken geläutet und darauf hingewiesen, das im Winter je nach Wetterkonstellation in Süddeutschland eine zusätzlicher Kapazitätsbedarf in Höhe von 1400 bis 2000 Megawatt erforderlich sei. Die Bundesnetzagentur habe dies geprüft, sagte Kurth. “Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das nicht widerlegen.“ Die Behörde werde aber bis Mitte August die Lage weiter analysieren.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Einschätzungen der Bundesnetzagentur. Die Behörde sei abhängig von den Daten und Bewertungen der Netzbetreiber und sollte sich nicht leichtfertig vor ihren Karren spannen lassen, sagte ein Sprecher in Berlin. Eine aktuelle Studie der Universität Flensburg zeige sehr deutlich, dass auch in Süddeutschland keine Stromlücke bei einem Atomausstieg bis 2015 drohe, da hinreichend Leitungskapazität in andere Bundesländer bestehe.

In den vergangenen Wochen hatte die Behörde die Auswirkungen des Kernkraftmoratoriums weiter untersucht und den Bericht von Anfang April fortgeschrieben. Ihr Resümee: Wettbewerbliche Marktergebnisse würden derzeit immer mehr durch einen planerischen Eingriff der Netzbetreiber ersetzt. “Die einmalige zeitgleiche Abschaltung von 5000 Megawatt Leistung und das längerfristige Fehlen von 8500 Megawatt bringen die Netze an den Rand der Belastbarkeit, sagte Kurth weiter. Die Maßnahmen, die die Betreiber ergreifen müssten, seien eigentlich für Ausnahmesituationen gedacht und drohten jetzt zum Regelfall zu werden. Trotz der kritischen Situation bleibe das Netzmanagement in diesem Sommerhalbjahr aber beherrschbar.

Insgesamt bezeichnete Kurth bei kritischen Lastsituationen das Niveau der Versorgungungssicherheit als “gerade noch ausreichend“. Aber einen Puffer für zusätzliche Kraftwerkstilllegungen gebe es nicht. Da der Zubau von alternativen Kraftwerkskapazitäten Zeit benötige beziehungsweise juristisch blockiert werde (Datteln), müsse zwischen 2011 und 2012 eine Durststrecke zurückgelegt werden.

Bestätigt haben sich nach weiteren Angaben der Bundesnetzagentur die erwartete stärkere Belastung der Übertragungsnetze auf den Nord-Süd- und Ost-West-Trassen durch die Abschaltung der Kernkraftwerke. Immer häufiger seien Sicherheitseingriffe erforderlich, insbesondere in Zeiten von Starkwind. Nicht annähernd ausreichend bezeichnete Kurth die derzeitigen und mittelfristigen die Speicherkapazitäten. Gegenwärtig gebe es lediglich sieben Pumpspeicherkraftwerke mit einer Leistung von 7 Gigawatt und Entladezeit von einigen Stunden.

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