Bundesrat: Schluss mit Ladenschluss

- München - Die Bundesländer wollen allein über den Ladenschluss entscheiden. Das hat der Bundesrat am Freitag einstimmig verabschiedet. Nun muss nur noch der Bundestag zustimmen. Die Mehrheit der Länder will die Öffnungszeiten dann an Werktagen freigeben. Im Gegensatz zu den früheren scheibchenweisen Liberalisierungen (langer Donnerstag, Öffnung bis 20 Uhr, langer Samstag) hört sich diesmal der Widerstand gegen die weitere Deregulierung verhalten an. Dabei sind die Stimmen aus dem Handel durchaus zwiespältig.

<P>"Eigentlich brauchen wir keine Änderung", sagt Günter Gross, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE) in München. Es werde auch gar nicht so kommen, dass alle Geschäfte rund um die Uhr öffnen. "Wir gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Konsumenten und Betriebe ihre Kauf- bzw. Verkaufszeit gefunden hat", so Gross weiter. Auch für die Umsätze der Händler werde eine Freigabe der Öffnungszeiten nichts ändern: "Der Konsument kann jeden Euro nur einmal ausgeben." Eine Umfrage unter den LBE-Mitgliedern habe ergeben, dass die meisten damit zufrieden sind, so wie es jetzt ist.<BR><BR>Auch Detlef Wulfes, Geschäftsführer von Karstadt-Oberpollinger in München glaubt nicht, dass die Geschäfte in Zukunft 24 Stunden geöffnet sein werden: "München sollte sich auf Kernöffnungszeiten konzentrieren", die sich "einpendeln" werden. Durch die Verlängerung von 18.30 Uhr auf 20 Uhr vor einigen Jahren hätten die Kunden nicht wesentlich mehr ausgegeben. Eine Ausdehnung über 20 Uhr hinaus hält er daher für unwahrscheinlich. <BR><BR>"Ein Großteil der Händler sieht gegenwärtig keinen Handlungsbedarf", sagt auch Peter Kammerer von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK). Trotzdem fordert er, dass der Ladenschluss endlich abschließend geregelt werden muss: "Konsequent wäre es, von Montag bis Samstag freizugeben." Der IHK-Geschäftsführer fordert außerdem, dass die Öffnungszeiten auch in Zukunft einigermaßen einheitlich geregelt werden. "Eine Abstimmung der Länder wäre wünschenswert." Deutlich kritischer äußert sich die bayerische Handwerkskammer (HWK): Für kleinere Geschäfte seien die Änderungen grundsätzlich negativ. <BR><BR>Längere Öffnungszeiten könnten sie sich nur selten leisten. Trotzdem glaubt HWK-Pressesprecher Ewald Rischer, dass der Bundesrats-Beschluss "in den Auswirkungen begrenzt" bleibt, weil sich nach 20 Uhr nicht viel ändern werde.<BR><BR>Kreditinstitute, die traditionell sehr beschränkte Öffnungszeiten haben, sehen sich von staatlich festgesetzten Öffnungszeiten nicht berührt. "Wenn ein Kunde Beratung haben wolle, kann er sie auch jetzt schon nach 20 Uhr haben", sagt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. Der Trend gehe hin zu individuell vereinbarten Abendterminen. Daneben gebe es Online-, Telefon- und Automaten-Banking rund um die Uhr.<BR><BR>Der Landesverband der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels in Bayern ist grundsätzlich für eine Deregulierung. "Wir sehen darin auch Chancen, flexibel und kundenorientiert zu agieren", sagt Georg Hiltner vom Handelsverband.<BR><BR>Aber bis es so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Zunächst wird erst einmal nur über die Länderkompetenz entschieden.<BR></P><P><BR> </P>

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