Bundesregierung über Frankreich wegen Hilfe für Alstom verärgert

- München - Die Bundesregierung ist über die Weigerung der französischen Seite verärgert, Teile des angeschlagenen Alstom-Konzerns an den deutschen Konkurrenten Siemens zu veräußern. Der deutsch-französische Gipfel zur Industriepolitik wurde auf Mitte Juni verschoben.

<P>Das Geschäft mit Kraftwerken beherrschen im globalen Maßstab wenige Großkonzerne. Die dabei anfallenden Milliardenaufträge machen sich vor allem Weltmarktführer General Electric (GE) aus den USA, der Münchner Technologiekonzern Siemens als Nummer zwei, Frankreichs Alstom und dann schon mit einigem Abstand die japanische Mitsubishi streitig. </P><P>Nun herrscht Unruhe im Oligopol, weil sich die stark angeschlagene Alstom auf Weisung der EU einen industriellen Partner suchen muss. Obwohl Brüssel den Franzosen dafür vier Jahre Zeit einräumt und die Details des im Gegenzug genehmigten Rettungsplans noch nicht auf dem Tisch liegen, wird hinter den Kulissen bereits heftig gerungen. Objekt der Begierde ist vor allem das Gas- und Dampfturbinengeschäft der hoch defizitären und massiv verschuldeten Alstom. </P><P>Als Interessenten gelten GE, Siemens, Mitsubishi und der schweizerische ABB-Konzern. "Wenn GE es bekommt, wäre das für Siemens eine mittlere Katastrophe", sagt der Analyst des Münchner Bankhauses Merck Finck, Theo Kitz. Denn dann würde der Weltmarktführer in diesem strategisch wichtigen Geschäft verstärkt ins "Siemens- Hinterland" eindringen. Eine verlässliche Gewinnquelle der Münchner könnte damit Probleme bekommen. Die Kraftwerkssparte war zuletzt der bei Siemens dominierende Gewinnbringer. Vergangenes Geschäftsjahr steuerte sie bei sieben Milliarden Euro Umsatz 1,2 Milliarden Euro Betriebsgewinn und damit über ein Viertel der konzernweiten Erträge bei. Auch im ersten Halbjahr 2003/04 lag die Sparte mit über einer halben Milliarde Euro Gewinn nur knapp hinter dem zweiten Vorzeigebereich Medizintechnik. <BR><BR>Im jetzigen Wellental suchen alle Turbinenbauer nach Ausweichmöglichkeiten.Die bietet das Servicegeschäft mit einem Weltmarktvolumen von allein 95 Milliarden Euro. Hier gilt Alstom als stark, was die Franzosen nach Ansicht von Börsianern für Siemens besonders interessant macht. Auch von den guten französischen Beziehungen nach Asien könnten die Bayern profitieren. <BR><BR>Siemens beschäftigt in der Kraftwerkssparte gut 30 000 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte in Deutschland. Ein neuer Handel mit Alstom würde aber nicht nur viele Arbeitsplätze kosten, sondern Siemens auch zur Nummer eins der Branche machen. Die Franzosen verspüren indessen wenig Lust dazu. Bei ihnen gilt Alstom mit Prestigeprodukten wie dem Hochgeschwindigkeitszug TGV als industrielles Flaggschiff der Nation. </P><P>Die Begehrlichkeiten der Deutschen kämen einer "organisierten Vergewaltigung" gleich, hat Alstom-Finanzchef Philippe Jaffre gerade wissen lassen und jede Annäherung seines 17 Milliarden Euro umsetzenden Konzerns an die Münchner abgelehnt. Kartellrechtlich sehen Experten in den Kombinationen GE/Alstom oder Siemens/Alstom ohnehin große Schwierigkeiten, weil dann die Nummer eins oder zwei mit der Nummer drei zusammengehen würde. "Die kartellrechtlich eleganteste Lösung wäre Mitsubishi", sagt ein Börsianer. Gegenüber den Japanern könnte Alstom auch am ehesten auf eine gleichberechtigte Partnerschaft pochen, was französischem Selbstverständnis entspreche. "Das wird teuer", schätzt ein Experte , der an einen Kaufpreis bis zu zwei Milliarden Euro für die Alstom-Turbinen und auch an Integrationskosten denkt.<BR></P>

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