Bundesweiter Warnstreik der Metaller

Stuttgart/München - Im Konflikt um eine neue Altersteilzeit-Regelung in der Metallindustrie ruft die Gewerkschaft IG Metall von diesem Montag an zu bundesweiten Warnstreiks auf.

Vor der fünften Verhandlungsrunde am Mittwoch sollen Großkonzerne mit Sitz in Baden-Württemberg wie Bosch, Daimler, Mahle, Heidelberger Druck und ZF Friedrichshafen an allen Standorten in Deutschland den Unmut der Gewerkschafter zu spüren bekommen. Aber auch kleine und mittlere Betriebe werden sich nach IG-Metall-Angaben an Arbeitsniederlegungen beteiligen. An einer ersten Warnstreikwelle in Baden-Württemberg hatten sich mehr als 100 000 Beschäftigte beteiligt. Mit einer ähnlichen Größenordnung sei auch in den kommenden Tagen zu rechnen.

Am kommenden Mittwoch verhandeln die Tarifpartner in der fünften Runde in Sindelfingen bei Stuttgart stellvertretend für bundesweit alle Tarifbezirke. Strittig ist, welche Arbeitnehmer einen finanziell abgefederten frühzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben beantragen dürfen und wer die Finanzierung zu welchen Teilen übernehmen soll. Anlass für die Gespräche ist das Auslaufen der staatlichen Förderung der Altersteilzeit Ende 2009.

In Bayern will die IG Metall mit Demonstrationen und Kundgebungen Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Ältere, die nicht mehr können, müssten flexibel bis zum 65. Lebensjahr in Rente gehen dürfen, sagte IG-Metall-Chef Werner Neugebauer laut Mitteilung vom Sonntag. Auf der anderen Seite verweigerten Politik und Wirtschaft hunderttausenden jungen Menschen den Zugang ins Berufsleben. An den bundesweiten Warnstreiks wird sich Bayern laut IG Metall nicht beteiligen. Der Tarifvertrag sei noch nicht gekündigt, es bestehe Friedenspflicht.

Baden-Württembergs IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann zeigte sich mit Blick auf den neuen Verhandlungstermin zuversichtlich: "Es gibt viele Ansatzpunkte und sich drehende Rädchen. Ich halte das für lösbar", hatte er am Donnerstag gesagt. Die Tarifparteien hatten vereinbart, bis Ende Juni eine Lösung zu finden.

Die IG Metall will einen verbindlichen Anspruch auf frühzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben für alle Beschäftigten durchsetzen. Die Arbeitgeber wollen dagegen den Anteil der Anspruchsberechtigten auf Gruppen einengen, die längere Zeit in Nacht- oder Wechselschicht oder in sehr anstrengenden Jobs gearbeitet haben.

Den Arbeitgebern von Südwestmetall schwebt eine kollektive Finanzierung vor. Das hieße, dass die Kosten für die Aufstockung des Nettolohnes für eine Teilzeittätigkeit auf rund 80 Prozent in eine Lohnerhöhung umgerechnet werden. Zu welchen Anteilen diese Summe auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt würde, wäre Gegenstand der Tarifgespräche.

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