Bund-Future auf Rekordhoch: Was das Renten-Barometer aussagt

- München - Im Laufe der vergangenen Monate wurde der Bund-Future zu einer der weltweit wichtigsten Börsenkennzahlen. Als die Nachricht über die Terroranschläge in London über die Ticker kam, erreichte er mit 124,06 Prozent sein bisheriges Allzeithoch, aktuell notiert er nahe der 123-Prozent-Marke. Nicht nur an der Terminbörse Eurex, wo Anleger mit dem Bund-Future auf die Zinsentwicklung spekulieren oder sich gegen Zinsänderungsrisiken absichern, blickt man täglich mit Argusaugen auf das Auf und Ab dieses Terminkontraktes.

 Auch für Käufer von Immobilien ist er, sofern mit der Investition eine Kreditaufnahme geplant ist, eine wichtige Basiskennzahl. Zudem gilt das Barometer des Rentenmarktes als wesentlicher Konjunkturindikator.Der Euro-Bund-Future ist ein Terminkontrakt auf eine fiktive Bundesanleihe mit einer Nominalverzinsung von sechs Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren. Derzeit notiert der Bund-Future bei 123,00 Prozent, was bedeutet, dass man beim Kauf einer sechsprozentigen Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren 123 % des Nennwertes bezahlen müsste. Eine starke Nachfrage nach Staatsanleihen treibt die Kurse nach oben, im gleichen Maße fallen aber auch die Renditen der Papiere. Das aktuelle Rekordhoch beim Bund-Future bedeutet also auch, dass die langfristigen Zinsen (Umlaufrendite) so niedrig sind wie nie zuvor.Wer an der Eurex einen Bund-Future kauft, spekuliert auf steigende Rentenkurse, wer ihn verkauft, glaubt, dass die Kurse fallen. Jeder Tick, also jede Bewegung des Futures um 0,01, bedeutet für den Käufer einen Gewinn von 10 Euro.Da Termingeschäfte aber mit einem sehr hohen Risiko verbunden sind, sind sie für Privatanleger nicht zu empfehlen. Wer Futures kauft, muss ständig den Markt beobachten und schnell reagieren können. Der Bund-Future ist der weltweit wichtigste Terminkontrakt und gilt als Maßstab für die Rentenmärkte Europas. Innerhalb von weniger als einem Jahr ist das Rentenbarometer von 114 auf über 123 Prozent gestiegen. Gründe für steigende Anleihekurse waren erneut aufkeimende Konjunkturskepsis, die kaum spürbare Inflation, ein wieder steigender US-Rentenmarkt und Zinssenkungsfantasien seitens der EZB.Neben Konjunktur und Geldpolitik spielen auch Krisen und Kriege bei der Entwicklung des Bund-Futures eine Rolle. Nachdem Anleihen als sicherer Hafen gelten, ist die Nachfrage in Krisensituationen höher, was steigende Rentenkurse bedeutet. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 sprang der Bund-Future binnen weniger Tage um mehr als 300 Ticks, nach den Anschlägen in London lag das Plus bei 145 Ticks.Nicht nur für Renten-Termingeschäfte ist der Bund-Future ein wichtiger Indikator. Anhand des Bund-Futures kann man sehen, wie sich die langfristigen Zinsen entwickeln. Da die Zinsen am Rentenmarkt auch eine erhebliche Rolle für die Finanzierungskonditionen spielen, freut sich jeder, der eine Immobilienfinanzierung plant, über die Rekordjagd des Bund-Future. Hohe Rentenkurse sind, sofern keine Deflation befürchtet werden muss, auch gut für die Konjunktur. Bei geringen Kreditkosten investieren beispielsweise Unternehmen mehr, zudem wird bei niedrigen Zinsen in der Regel weniger gespart und mehr konsumiert. Auch für den Aktienmarkt ist ein hoher Bund-Future grundsätzlich positiv zu werten, da Dividendentitel langfristig deutlich höhere Renditen abwerfen als Rentenpapiere in einer Niedrigzinsphase.

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