Bunte Welt der Urlaubsfotos: 3,5 Millionen Bilder pro Tag

- Germering - Beim Börsenboom zur Jahrtausendwende wurden eine Reihe deutscher Unternehmen hochgejubelt - die Cewe Color AG war nicht dabei. Doch jetzt, in Zeiten der Abkehr vom schnellen Spekulationsgewinn, erfreut sich die Aktie des Fotoentwicklers wachsender Aufmerksamkeit. Während Kodak und Fuji als Mischkonzerne auch Filme, Papier, Chemikalien, Kameras und Minilabs im Angebot haben, hat sich Cewe Color auf das industrielle Fotofinishing spezialisiert. Mit Erfolg: Das Unternehmen ist mit 27 Prozent Marktanteil Europas Branchenführer. Die beiden Weltkonzerne folgen je mit etwa 20 Prozent.

<P>"Wir konzentrieren uns auf das, was wir können", sagt Geschäftsführer Stephan Reinhold. Und das ist Fotoentwicklung im großen Stil. Das Werk in Germering vor den Toren Münchens, das drittgrößte Fotolabor weltweit und der größte Betrieb des Landkreises Fürstenfeldbruck, wickelt täglich bis über 100 000 Aufträge ab - dazu gehören Großkunden wie Media-Markt, mehrere Drogerieketten und Supermärkte sowie Online-Anbieter wie T-Online. Das sind an die 3,5 Millionen Bilder pro Tag - eine Fotostrecke von etwa 450 Kilometern.</P><P>Auf drei Etagen werden aus den Filmen, die etwa 4000 Geschäfte anliefern, Fotos gemacht. Dabei geht knapp die Hälfte der Produktion nach Österreich - laut Reinhold ist die Distanz nur eine Frage der Organisation. 24 Stunden halten die 250 Mitarbeiter den Betrieb, der auch Kostenführer ist, am Laufen. Um 18 Uhr werden die fertigen deutschen Aufträge abgeholt, um 19 Uhr die für Österreich. Um 20 Uhr kommen die neuen Filme an. Dann geht es ans Sortieren. 88 Kombinationen aus Film, Format, glänzendem oder mattem Papier gibt es. Danach werden am so genannten Splicer die Filme mit einem Computercode versehen, zusammengeklebt und gerollt. 500 bis 600 Filme werden pro Stunde und Arbeitsplatz vorbereitet.</P><P>Nach der Entwicklerstrecke belichtet der Multi Scanning Printer, das 800 000 Euro teure Herzstück des Labors, die Negative. Dabei wird jedes Bild an 500 Punkten gemessen. Gleichzeitig wird auch der Index, der Mini-Kontaktbogen, erstellt - quasi die Spezialität des Hauses, denn Cewe Color hat die kleine Foto-Übersicht als Massenprodukt erfunden. Nach dem Printer werden die Fotos maschinell mit den Negativen in die Fototüte gepackt und zum Ausliefern fertig gemacht.</P><P>Während bei der analogen Fotografie die Automatisierung stark entwickelt ist, steht die Branche im Digitalbereich erst am Anfang. "Digital ist viel Manufaktur vom Feinsten", erklärt Reinhold, "denn die Labortechnik steckt noch in den Kinderschuhen." Per Hand werden an den Mini-Labs die Foto-CDs eingelegt und bearbeitet. Umso mehr wartet man auf den zweiten Digitalprinter, den heuer die Schweizer Firma Imaging Solution auf den Markt brachte. Agfa will nachziehen; weitere Anbieter gibt es auf dem Weltmarkt nicht.</P><P>Um in Österreich und den Niederlanden 30 bzw. 40 Prozent Marktanteil zu halten, braucht Cewe Color dort keine Filialen - die Lieferungen erfolgen per Auto. In Deutschland hält das Unternehmen mit Sitz in Oldenburg zehn Produktionsbetriebe, im europäischen Ausland weitere 14. Insgesamt sind 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Neben Frankreich, Spanien und Dänemark wurden auch Labors in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn aufgebaut. "In Mittelosteuropa sind die neuen Märkte", weiß Geschäftsführer Reinhold. Dass man den Sprung dorthin gewagt hat, liegt auch an den Großkunden. "Als die in den Osten gegangen sind, haben sie gesagt: Ihr müsst mit." Und Zögern lässt der Markt nicht zu, "denn wenn wir es nicht machen, macht es ein anderer".<BR></P>

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