Bus, Bahn, Flug: Wie Passagiere für Verspätung entschädigt werden

- Verspätungen sind für Reisende ein Ärgernis, das künftig stärker geahndet werden könnte. Zumindest bei Bahnfahrten will die Bundesregierung höhere Entschädigungen festlegen, wenn der Zug zu spät ankommt. Doch auch jetzt bekommen Passagiere teilweise Erstattungen für Verspätungen - sei es bei U-Bahn, Intercity oder Flugzeug. Allerdings haben die jede Menge Haken.

Meist können die Unternehmen selbst entscheiden, wie viel Entschädigung sie für schlechte Arbeit leisten wollen. Gesetzlich geregelt sind nur die Ausgleichszahlungen für Fluggäste in der Europäischen Union (siehe Kasten). Überall gilt: Knackpunkt ist der Grund einer Verspätung. Eine Entschädigung gibt es nur, wenn die Ursache einer Störung vom Unternehmen zu verantworten ist. Wetterkapriolen oder Streiks gehören zum Beispiel nicht dazu. Dank dieser Klausel dürfte ein Großteil der Verspätungen zu Lande und in der Luft für die Betriebe ohne Folgen bleiben. In den anderen Fällen hängt es vom Betreiber des Verkehrsmittels ab, wie gut der Kunde behandelt wird.

MVG

So viel gibt's: Wer in München U-Bahn, Tram oder Stadtbus fährt, ist Kunde der städtischen MVG. Was die wenigsten wissen: Hier gibt es bei Verspätungen über 20 Minuten Geld zurück - und zwar den Gegenwert einer Tageskarte Innenraum, was derzeit 4,80 Euro entspricht. Wer wegen der Verspätung den letzten Anschluss verpasst, kann Taxikosten bis zu 25 Euro erstattet bekommen.

So funktioniert's: Der Kunde muss sich zunächst einen Garantiescheck von einem Servicecenter oder Infopoint der MVG holen. Diese befinden sich an den Haltestellen Marienplatz, Hauptbahnhof, Sendlinger Tor, Odeonsplatz, Münchner Freiheit, Olympiazentrum und Stachus. Außerdem kann der Scheck im Internet heruntergeladen werden (www.mvg-mobil.de/mvg-garantie-details.htm). Dieses Formular muss ausgefüllt und zusammen mit Kopie oder Original der Fahrkarte bzw. Taxiquittung entweder bei Servicecentern und Infopoints abgegeben werden oder per Post an die MVG (Kundenmanagement, 80287 München) gesandt werden. Das sollte möglichst zeitnah - maximal binnen zehn Tagen - geschehen. Ist der Anspruch berechtigt, wird das Geld aufs Girokonto überwiesen.

Deutsche Bahn

So viel gibt's: Wer im Nahverkehr mit der Deutschen Bahn unterwegs ist - also mit S-Bahn, Regionalzug, Regionalbahn -, hat keine Chance auf Entschädigung. Hierfür würden schon Vertragsstrafen an das jeweilige Bundesland bezahlt und doppelt wolle man sich nicht zur Kasse bitten lassen, heißt es bei der Bahn. Das könnte sich ändern, ein entsprechendes Pilotprojekt läuft in Schleswig-Holstein.

Im Fernverkehr (ICE, Intercity, Eurocity, Interregio) hat sich die Bahn im Rahmen ihrer "Kunden-Charta" Entschädigungs-Regeln auferlegt. Bei mehr als 60 Minuten Verspätung (bei Nachtzügen 120 Minuten) gibt es Ausgleich in Höhe von 20 Prozent des Fahrpreises. Das aber nur in Form eines Gutscheins. Kann die Reise bis 24 Uhr nicht fortgesetzt werden, übernimmt die Bahn die Kosten für Übernachtung oder Taxi bis höchstens 80 Euro pro Person. Hat der ICE Sprinter mehr als 30 Minuten Verspätung, wird der Aufpreis für diesen Zug erstattet.

So funktioniert's: Zunächst benötigen Bahn-Kunden eine Gutscheinkarte, die die Zugbegleiter ausstellen können. Bis zwei Tage nach der Fahrt kann diese Karte auch an Service-Points und Reisezentren der Bahn bezogen werden. Diese Gutscheinkarte muss - zusammen mit Kopie oder Original der Fahrkarte - innerhalb eines Monats in einem Reisezentrum oder einer DB-Agentur vorgelegt werden. Dann kann man den Betrag entweder auf den Kauf einer Fahrkarte anrechnen oder in einen Gutschein umschreiben lassen, der ein Jahr gültig ist. Diesen Gutschein wiederum kann man nur bei DB-Agenturen und am Karten-Schalter einlösen. Dort kosten Bahnfahrten allerdings in einigen Fällen mehr als über das Internet, den Automaten oder die Telefon-Buchung. So könnte die Entschädigung wieder aufgezehrt werden.

Wer ein Hotel oder ein Taxi benötigt, sollte sich nach Angaben eines Bahn-Sprechers an einen Servicepoint oder die sogenannten 3S-Zentralen wenden. Deren Telefon-Nummern hängen laut DB an allen Bahnhöfen in Schaukästen aus. Dort werde dem Fahrgast ein Hotel oder Taxi vermittelt.

Bob

So viel gibt's: Neben der Deutschen Bahn betreiben einige private Unternehmen Zugstrecken in Deutschland. Die Bayerische Oberlandbahn (Bob) hat nach Angaben eines Sprechers kein Entschädigungs-System. Bei "größeren Ereignissen" würden die Passagiere in Form von Freifahrten oder Fahrgelderstattungen entschädigt.

So funktioniert's: Ist ein Zug verspätet, sollte man sich an Zugbegleiter oder die Service-Hotline der Bob wenden: 0 80 24 / 99 71 71.

Alex

So viel gibt's: Auch beim Allgäu-Express (Alex), der zwischen München und Oberstdorf verkehrt, wird "von Fall zu Fall" entschieden, sagt eine Sprecherin. Hierbei würden Gutscheine für Essen oder Getränke ausgegeben oder der Fahrpreis erstattet.

So funktioniert's: Passagiere sollten sich an Zugbegleiter oder die Service-Hotline (0 18 05 / 91 51 09, für 12 Cent pro Minute) wenden.

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