Bush oder Kerry? Die Börse wählt mit

- München - Bei ihren Wahlkampfauftritten werden George Bush und John Kerry gleichermaßen von ihren Anhängern bejubelt. An der Börse sind der amtierende Präsident der USA und sein aussichtsreichster Herausforderer von den Demokraten nicht gleich beliebt. Wenn am 2. November gewählt wird, steht einer von beiden aus Anleger-Sicht höher im Kurs.

<P>Ob George Bush eine weitere Amtszeit als US-Präsident erhält oder mit John Kerry ein Mitglied der Demokratischen Partei das Amt übernimmt, hat auch Einfluss auf die Börse. "Kurzfristig gibt es Auswirkungen auf den Markt", erklärt ein Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment. Von den Programmen beider Kandidaten lassen sich wirtschaftliche Impulse ableiten, die die Kurse eher rauf oder runter ziehen. Und diese Tendenz pflanzt sich in der Regel von den amerikanischen Leitbörsen auf Europa und Deutschland fort.<BR><BR>Der Kandidat der Wall Street ist George Bush - zumindest, wenn es nach dem Spendenaufkommen geht. An den Amtsinhaber kämen derzeit viele Spenden aus dem Lager der Wall Street, heißt es bei Union Investment. Eines der Argumente für Bush aus Sicht der Börsianer: Die von ihm durchgeführten Steuersenkungen, die nach 2010 auslaufen würden, will er permanent festschreiben. Herausforderer Kerry dagegen will nicht nur den Spitzensteuersatz erhöhen, sondern auch die Vergünstigungen für Menschen mit mehr als 200 000 Dollar Einkommen streichen. Eben diese Reichen zählen aber zu den großen Aktienkäufern. "Die Entwicklung der Aktienkurse könnte durch eine restriktivere Steuerpolitik gedämpft werden", heißt es in einer Studie der BHF Bank.<BR><BR>"Bei Kerry wird die Börse wohl nicht so positiv reagieren", glaubt auch der Münchner Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. Der Demokrat will die amerikanische Staatsverschuldung deutlich senken. Das heißt, dass der Staat weniger ausgibt und somit zunächst ein konjunkturbelebender Einfluss geschwächt wird.<BR><BR>Außerdem spielt Kerrys grundsätzliche Position eine Rolle, vermutet die BHF Bank: "Falls Kerry die Präsidentschaftswahl gewinnt, dürfte seine kritische Haltung gegenüber dem Unternehmenssektor an den Aktienmärkten nicht so gut ankommen. Dazu gehört auch, dass er für eine Stärkung der Arbeitnehmerrechte eintritt."<BR><BR>"Demokraten scheinen generell nicht so beliebt zu sein bei den Börsianern", hat Jens Ehrhardt beobachtet. Diesmal sei die Präferenz aber nicht so eindeutig, glaubt man bei Union Investment. "Kerry wird nicht so negativ gesehen. Er ist kein Feind der Börse."<BR><BR>Stärker noch als der Gesamtmarkt dürften einzelne Branchen auf den Wahlausgang reagieren. George Bush kommt aus der Ölindustrie und gilt als deren klarer Favorit. Zudem ist er ein Freund der Rüstungsindustrie, die von den immensen US-Verteidigungsausgaben profitiert hat. Kerry dagegen möchte stärker die internationale Staatengemeinschaft einbinden. Das würde die amerikanischen Ausgaben für Militäreinsätze wohl reduzieren.<BR><BR></P>

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