"Campeon": Ein Fall für Schumachers alte Freunde

- München - Der gefeuerte Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher musste offenbar nicht nur wegen schlechter Unternehmenszahlen gehen. Beim Bau der neuen Zentrale "Campeon" in Neubiberg bei München sollen die Aufträge nach Gutdünken vergeben worden sein. Mittlerweile ist schon der dritte Architekt am Werk. Der Umzug hat sich dadurch um mehr als drei Jahre verzögert.

<P>Nach einem Bericht des "Manager Magazin" beauftragte Infineon im Februar 2001 auf Wunsch Schumachers das Büro TEC PMC für Planung und Bauleitung. Dabei hatten die Münchner Architekten Meier-Scupin & Petzet den Auftrag bereits im Oktober 2000 übernommen und einen baufähigen Entwurf abgeliefert. Unter TEC PMC soll es zu erheblichen Verzögerungen gekommen sein. "Wir hätten die Abnahme im September 2002 geschafft", sagte Architekt Josef Peter Meier-Scupin unserer Zeitung.</P><P>TEC PMC wird von Moritz und Sebastian Knorr geführt. Die beiden sind die Söhne von Jürgen Knorr, dem früheren Chef der Siemens-Halbleitersparte, aus der Infineon hervorging. Knorr gilt als Vertrauter und Förderer Schumachers.</P><P>Nach dem Abgang des Infineon-Vorstandschefs wurde ein neuer Architekt verpflichtet. Einen Namen wollte Konzernsprecher Ralph Heinrich nicht nennen. "Die Anschlussprojektplanung ist gesichert", hieß es lediglich. Aus kommunalen Kreisen verlautete jedoch, dass es sich um den hausinternen Experten Bernhard Heinemann handelt. Der Wechsel der Architekten sei im Übrigen "absolut üblich", so Heinrich. Infineon plane keine rechtlichen Schritte gegen Schumacher.<BR>Für das Jahr 2002 versprach Infineon "bungalowähnliche Forschungs- und Bürogebäude" auf rund 200 000 Quadratmetern "in einer auch für alle Bürger offenen Parklandschaft". Doch bisher türmen sich nur die Erdhaufen an der A 8. Die Bürgermeisterin von Neubiberg, Johanna Rumschöttel (SPD), geht weiterhin von einer Grundsteinlegung am 26. Mai aus. In den nächsten Tagen steht ein Gespräch mit Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl an.</P><P>Vor seiner Ablösung fiel Schumacher durch wüste Standortdrohungen auf. Mehrfach kündigte er an, den Sitz von Infineon in die Schweiz zu verlagern. Rund 6000 Mitarbeiter des Chip-Herstellers sind derzeit auf neun Standorte in München verteilt. Die neue Anlage "Campeon" soll mit einem Kindergarten, Grünflächen, Sportstätten und Restaurants ausgestattet werden. Träger des 500-Millionen-Euro-Projekts ist die Unterhachinger Moto GmbH. Sie errichtet den Komplex, den der Konzern anmieten wird.</P>

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