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Für spontane Spritztouren ist die BMW-Flotte Drive-Now gedacht. Hier zahlen Caresharing-Nutzer 29 Cent pro Fahrminute und können das Auto am Ziel stehen lassen, wenn es innerhalb des Geschäftsbereichs ist.

Mit dem geteilten Auto Geld sparen

Teilen und sparen – das ist die Idee des Carsharings. Doch ein Auto, das sich viele Nutzer teilen, lohnt sich nicht für jeden. Bei rund 50 Cent pro Kilometer profitieren vor allem Wenigfahrer.

Ein eigenes Auto? Das ist manchen Menschen zu teuer, zu umweltschädlich oder einfach ein Klotz am Bein. Zumindest viele Städter kommen mit Fahrrad, Bus und Bahn bestens zurecht. Nur manchmal wäre ein Pkw doch von Vorteil: die Fahrt zu Ikea, die vielen Tüten beim Großeinkauf oder sonntags mal raus ins Grüne. Die moderne Lösung dafür heißt Carsharing und ist in vielen Fällen sogar günstiger, schreibt die Zeitschrift Finanztest in ihrer aktuellen Ausgabe.

Carsharing in drei Varianten

Die Idee hinter dem Carsharing ist, dass viele Nutzer sich ein Auto teilen. Wer gerade eines braucht, bucht es per Internet oder Telefon, steigt ein und fährt los. Noch ist das Autoteilen ein kleiner Markt, doch die Nachfrage wächst. Angebote gibt es vor allem in drei Varianten:

-Klassisches Carsharing: Der Nutzer zahlt meist einen Monatsbeitrag, teils zusätzlich eine einmalige Aufnahmegebühr oder eine Kaution, zum Beispiel 500 Euro bei Stattauto München. Die Miete besteht aus einem Zeitanteil und einem Kilometerpreis. Fast immer stehen die Wagen an festen Stationen.

-Spontanes Carsharing: Auch Autohersteller wie BMW oder Daimler sind eingestiegen. Sie machen es besonders einfach. Der Kunde meldet sich einmal an und kann jederzeit ein Auto innerhalb des Geschäftsgebietes nutzen. Er stellt das Auto ab, wo er es zuletzt gebraucht hat. Suchen kann er es per Handy. Es gibt keine festen Stationen. Bezahlt wird nach Zeit, bei Drive-Now 29 Cent pro Fahrminute. Geeignet ist das Auto zum Mitnehmen vor allem für spontane, kurze Fahrten. Wer 15 Minuten fährt und 15 Minuten parkt, zahlt bei Drive-Now und Car2go rund sechs Euro inklusive Benzin.

-Privater Autotausch: Mehrere Internetportale bieten sich als Vermittlungsplattform für Privat-Pkw an, zum Beispiel Autonetzer, Nachbarschaftsauto, tamyca oder rent’n’roll.

Im Bundesverband Carsharing (BCS) sind 128 professionelle Anbieter organisiert, gut 90 Prozent der Firmen. Die meisten arbeiten in nur einer Stadt, teils in Kleinstädten, manchmal mit nur einem Auto. Trotzdem sind ihre Kunden nicht nur daheim mobil, sondern auch in fremden Städten. Wer bei einer dem BCS angeschlossenen Firma ist, kann auch die Autos aller anderen BCS-Firmen nutzen. So stehen bundesweit tausende Autos bereit. Der Carsharer kann weite Strecken mit der Bahn fahren und am Zielort ins Auto steigen.

Viele Anbieter arbeiten auch mit den Verkehrsbetrieben zusammen: Kunden mit Monatskarte bekommen die Autos günstiger. Auch für Studenten und Azubis gibt es oft Rabatt. Doch junge Leute sind nicht die Hauptzielgruppe. Zwei Drittel der Nutzer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Je seltener man fährt desto lohnender

Dabei ist das Autoteilen nicht für jeden Autofahrer geeignet. Hier eine Übersicht der wichtigsten Fakten:

-Fahrertyp: Sinnvoll ist Carsharing für Leute, die nicht regelmäßig ein Auto brauchen, oder die verschiedene Typen wollen: mal einen Mini, mal eine Familienkutsche, einen Transporter oder ein Cabrio für den Ausflug ins Grüne. Wer sich etwas schusselig anstellt beim Fahren und häufig aneckt, kann aus dem Vertrag fliegen. Bei Stattauto München reichen zwei Schäden, um eine Kündigung zu bekommen.

-Preisvergleich: Je seltener jemand fährt, desto eher lohnt sich Carsharing. Wo genau die Grenze liegt, hängt vom Anbieter und der persönlichen Nutzung ab. Als Faustregel nennen die meisten Anbieter 10 000 Jahreskilometer.

-Kurzstrecken: Vorteile haben vor allem Fahrer, die den Wagen eher für kurze Strecken und nicht regelmäßig brauchen. Finanztest hat in Stichproben festgestellt: Werktags für eine Stunde und zehn Kilometer kostet Carsharing inklusive Sprit 4,10 bis 6,70 Euro.

-Abholstation: Für Kunden auf dem Land oder am Stadtrand kommt Carsharing meist nicht infrage, da die nächste Abholstation zu weit entfernt ist. Kunden in der Stadt sollten prüfen, ob es in ihrer Nähe eine Station gibt. Das beschränkt sich jedoch nicht nur auf Großstädte wie München.

-Mietwagen: Für lange Strecken und Urlaubsreisen sind Mietwagen oft die preisgünstigere Alternative. Vergleichsrechner mit den Tarifen vieler Autoverleiher stehen im Internet, zum Beispiel unter www.billiger-mietwagen.de oder unter www.mietwagenmarkt.de.

Mit Bequemlichkeit punkten

Als wesentlichen Vorteil empfinden viele Carsharing-Kunden, dass sie sich um fast nichts zu kümmern brauchen. Reparaturen, Ölwechsel, Waschen, Winterreifen – das alles erledigt der Carsharing-Anbieter. Dass mal kein Auto zu haben ist, kommt eher selten vor. „Das wäre ja auch der Super-Gau für uns“, sagt Walter Ernst, Geschäftsführer von Stadtteilauto München. Allerdings sollte man an Feiertagen und an verlängerten Wochenenden frühzeitig buchen – teilweise gibt es auch Frühbucher-Rabatte.

Die Autos sind häufig neu oder neuwertig, bei Cambio selten älter als vier Jahre. Zur Ausstattung gehören oft Navigationsgerät und Kindersitz, in der kalten Jahreszeit Winter- oder Ganzjahresreifen. In den Autos gilt Rauchverbot, Hunde und Katzen sind dagegen meist erlaubt. „Oft darf der Kunde auch Mitfahrer ans Steuer lassen, wenn er selber dabei ist“, erklärt Finanztest. Der Sprit ist in den meisten Fällen im Mietpreis enthalten. Muss doch einmal getankt werden, liegt eine Karte im Auto mit der bargeldlos getankt werden kann.

Nach einer Panne oder einem Unfall verständigt der Nutzer die Servicezentrale, bei Unfällen zusätzlich die Polizei. Im Regelfall sind die Fahrzeuge über einen Schutzbrief versichert, der meist das Abschleppen, einen Ersatzwagen und sogar kostenlose Hotelübernachtungen abdeckt. Beim Buchen muss der Kunde auch den Zeitpunkt nennen, an dem er das Auto wieder abgeben will. Dauert die Fahrt länger, zum Beispiel weil unterwegs ein Stau war, kommt es darauf an: Hat kein anderer Fahrer den Wagen direkt im Anschluss gebucht, wird die Mietzeit einfach verlängert. Liegt eine andere Buchung vor, verlangen fast alle Anbieter einen Aufpreis, zum Beispiel 15 Euro.

Am Fahrtende muss der Nutzer den Wagen in der Regel an genau der Station wieder abgeben, wo er ihn ausgeliehen hat. Das hat immerhin den Vorteil, dass er keinen Parkplatz suchen muss. Die Plätze sind reserviert.

mm

Praxis-Beispiele

-Stattauto bietet in München einen Kleinwagen (z.B. Toyota Yaris) für 22 Euro pro Tag zuzüglich 22 Cent pro gefahrenen Kilometer an: 1 Tag + 100 km = 44 Euro. Die Aufnahme kostet einmalig 50 Euro, die Monatsgebühr sieben Euro.

- Flinkster, eine Marke der Deutschen-Bahn-Tochter DB-Rent, bietet zum Beispiel in Fürstenfeldbruck einen VW Golf für einen Tag für 60 Euro plus 17 Cent Verbrauchspauschale pro gefahrenen Kilometer an – 1 Tag + 100 km = 77 Euro. Der Aufnahmebeitrag kostet ohne Bahncard einmalig 50 Euro, ein Monatsbeitrag ist nicht fällig. In München kostet dieselbe Fahrzeugkategorie (Kompakt) 66 Euro pro Tag, ein Kleinwagen (u.a. Opel Corsa) 55 Euro zuzüglich 17 Cent pro Kilometer: 1 Tag + 100 km = 83 Euro (VW Golf) / 72 Euro (Opel Corsa).

-Stadtteilauto in Freising: Ein Kleinwagen (z.B.: Opel Corsa) kostet hier für einen Tag bei 100 gefahrenen Kilometern 53 Euro, Spritkosten inklusive. Die Jahresgebühr liegt normalerweise bei 80 Euro, die Aufnahme kostet einmalig 60 Euro.

-Zum Bundesverband Carsharing gehört unter anderem der Verein Stattauto Isarwinkel in Bad Tölz. Hier beträgt der Tagessatz für einen Opel Corsa 17,50 Euro zuzüglich 19 Cent pro gefahrenen Kilometer: 1 Tag + 100 Kilometer = 36,50 Euro. Die Anmeldung kostet einmalig 50 Euro, der Monatsbeitrag sieben Euro.

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