Carstensen wirft AKW-Betreiber "Bulldozer"-Sensibilität vor

Kiel - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat dem Energiekonzern Vattenfall schweres Fehlverhalten im Umgang mit den Zwischenfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel vorgeworfen.

"Die Firma hat hier die Sensibilität eines Bulldozers an den Tag gelegt", sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. An seiner grundsätzlichen Einstellung zur Kernenergie hätten die Vorfälle nichts geändert. "Aber falsche Dübel im einem Atomkraftwerk haben eben eine andere Dimension als beim Renovieren des Wohnzimmers, und da können diejenigen, die dafür die Verantwortung tragen und mit denen wir als Politiker zusammenarbeiten, uns nicht das Leben durch eine hanebüchene Informationspolitik schwer machen."

Im Hinblick auf die Aufarbeitung der Pannen in Krümmel und Brunsbüttel sagte der Regierungschef: "Ich habe in dieser Beziehung volles Vertrauen zu unserem dafür zuständigen Sozialministerium und keine Veranlassung, an der Arbeit dort zu zweifeln. Das Gleiche empfehle ich auch dem Bund." Hintergrund ist die Ankündigung des Bundesumweltministeriums, es wolle sich die Zustimmung zum Wiederanfahren Krümmels vorbehalten.

Carstensen bekannte sich trotz der aktuellen Klimaschutzdebatten zu den Plänen für den Bau neuer Kohlekraftwerke im Norden. "Wir haben einen Versorgungsauftrag über unser eigenes Bundesland hinaus", sagte Carstensen und nannte als Beispiel Hamburg. "Das Argument, eine Eigenversorgung des Landes Schleswig-Holstein würde ausreichen, ist völlig unsinnig und wird bei regenerativen Energien ja auch nicht in Anspruch genommen." Schleswig-Holstein produziert - bisher vor allem mit Hilfe der drei Atomkraftwerke im Land - fast drei Mal so viel Strom, wie es selbst verbraucht. "Für die Landwirtschaft oder Autos kann ja wohl auch nicht das Prinzip der Eigenversorgung nur eines Bundeslandes gelten", argumentierte Carstensen. Im Übrigen würden neue Kraftwerke die Wirtschaftskraft des Landes insgesamt heben.

Gespräch: Wolfgang Schmidt, dpa

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