Cebit 2005: Warum in Hannover Microsoft zu den Bayern gehört

- München/Hannover - Die mit Abstand größte Computermesse der Welt findet in Niedersachsen statt. Doch wird dort viel Bayerisch zu hören sein. Denn immerhin jeder fünfte deutsche Aussteller auf der Cebit (ab 10. März in Hannover) kommt aus dem Freistaat - 564 von insgesamt 2977.

<P>Doch häufiger noch werden chinesische Dialekte zu hören sein: Taiwan stellt mit 777 Ausstellern die mit Abstand größte Gruppe aus dem Ausland, vor der Volksrepublik China mit 310 Ausstellern. Dazu müsste man auch 176 Teilnehmer aus Hongkong rechnen, die in der Cebit-Statistik gesondert geführt werden.<BR>"Ostasien ist der Wachstumskern der Branche", sagt Detlev Rossa von der Deutschen Messe AG. Dieser Region ist der Gesamtzuwachs von 6109 auf 6270 zu verdanken. Aus dem Inland ging die Zahl von 3168 auf 2977 zurück.<BR><BR>Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht nur einheimische Firmen als Inland zählen, sondern auch Vertretungen ausländischer Unternehmen. Microsoft etwa ist für die Cebit ein bayerisches Unternehmen. So kommt es auch, dass Japan mit gerade 26 Ausstellern in der Nationenwertung unter "ferner liefen" rangiert. Was im fernöstlichen Inselreich in der IT-Branche Rang und Namen hat, verfügt selbst über eine Niederlassung in Deutschland.<BR><BR>In der Branche rücken Sony und Dell, Nokia und Blaupunkt immer enger zusammen. Egal ob Fernseher, Telefon, Spielkonsole, Waschmaschine. In allen Geräten schlagen verwandte Computer-Herzen. Dem hat nun auch das Messe-Konzept in Hannover Rechnung getragen. Es wird nicht mehr nach unterschiedlichen Grundtechniken sortiert, etwa Computer und Fernsehgerät (das erst 2004 für Cebit-fähig erklärt worden war). Allein die Anwendung bestimmt, in welcher Halle man etwas findet. So geht es auf einem Drittel der Fläche (in der wichtigsten Messesprache formuliert) um "Business Processes" (Geschäftsabläufe), in einem weiteren über Digital Equipment (man könnte auch schlicht Hardware sagen), wozu neuerdings unbestritten auch Spielkonsolen und Geräte der Unterhaltungselektronik gehören. Der Rest ist Kommunikation - womit auch der Megatrend der Branche und der schönen neuen IT-Welt umschrieben ist.<BR><BR>Jeder spricht mit jedem, der Kühlschrank mit dem Computer im Supermarkt, der für die eben geleerte Milchtüte Ersatz liefern lässt. Das Handy mit dem DVD-Rekorder, weil es mit ein paar Handgriffen zur Fernbedienung umfunktioniert ist. Ob man seine Bankgeschäfte wirklich am Display der Waschmaschine abwickeln soll, sei dahingestellt.<BR><BR>Die Branche jedenfalls zeigt sich zur Cebit 2005 so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr. "Aus der Trendwende ist ein Trend geworden", sagt Willi Berchtold, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Die ITK-Branche nehme ihre Position als Konjunkturmotor wieder ein und werde in Deutschland in diesem Jahr "etwa 10 000 neue Arbeitsplätze generieren", sagte er. Im laufenden Jahr werde der westeuropäische Markt um 3,4 Prozent zulegen, für das nächste Jahr rechne die Branche mit einem weiteren Plus von knapp 4 Prozent. Der Löwenanteil des ITK-Marktes entfalle mittlerweile auf Dienstleistungen, betonte er. Die Hardware mache nur noch 24 Prozent des Marktvolumens aus. Auch weiterhin erwarte man bei der Software das stärkste Wachstum.<BR><BR></P>

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