CeBIT: High-Tech-Industrie stabilisiert Aufschwung

- Hannover - Der angesprungene Konjunkturmotor und der beschleunigte technologische Wandel lassen die High-Tech-Industrie auf einen mehrjährigen stabilen Aufschwung hoffen. Die Branche erwartet für 2006 und 2007 stabile Zuwachsraten.

"Diese Dynamik tut der Wirtschaft insgesamt gut", sagte der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, Willi Berchtold, am Mittwoch vor der CeBIT- Eröffnung in Hannover. Eine Gefahr für den Standort Deutschland könnte allerdings der Fachkräftemangel werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die Innovationskraft Deutschlands stärken und plant noch in diesem Jahr einen nationalen "IT-Gipfel". Deutschland habe sich immer als "Zukunftswerkstatt" verstanden, sagte Merkel am Mittwochabend bei der Eröffnung der weltgrößten Computermesse laut vorab verbreitetem Redemanuskript. "Daran müssen wir anknüpfen." In diesem Lichte komme der CeBIT eine hohe Bedeutung zu. Die ITK-Branche sei ein "Wachstumsmotor".

Bis zum Sommer will Merkel zudem ein Regierungsprogramm für die Informationsgesellschaft erarbeiten. Im Frühsommer werde schließlich ein neuer "Rat für Innovation und Wachstum" seine Arbeit aufnehmen. Das Expertengremium werde geleitet vom ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Die weltweite Leitmesse wird am Donnerstag für das Publikum geöffnet und dauert bis zum 15. März. Auf der CeBIT zeigen rund 6260 Unternehmen, etwas mehr als 2005, ihre Produkte. Mehr als die Hälfte der Aussteller kommt aus dem Ausland. 2005 verzeichnete die Messe rund 480 000 Besucher.

Der BITKOM erwartet 2006 ein Umsatzplus von 2,4 Prozent für die Informationstechnik und Telekommunikation (ITK), auf dann rund 137 Milliarden Euro. "Es ist wieder richtig Musik in unserer Branche", sagte Berchtold. Für 2007 wird allerdings ein niedrigeres Plus von 2 Prozent erwartet. Die weit verästelte Branche hatte erst 2005 eine Durststrecke mit mehreren mageren Jahren hinter sich gelassen. Statt der auf der vorigen CeBIT vom BITKOM prognostizierten Wachstumsrate von 3,4 Prozent kam 2005 allerdings nur ein Zuwachs von 2,4 Prozent heraus.

Optimistisch stimmt die Branche vor allem die Qualität der Nachfrage: Die Unternehmen investierten wieder verstärkt in neue Hard- und Software, um produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden, aber auch um neue Märkte zu erschließen. Dies gelte insbesondere für den Mittelstand. Davon profitieren laut BITKOM vor allem Anbieter von Software und IT-Dienstleistungen.

Zudem achten die Unternehmen nach Beobachtung des weltgrößten Softwareherstellers Microsoft nicht mehr nur auf Einsparmöglichkeiten. "Die Bereitschaft steigt wieder, in Projekte zu investieren, die nicht nur Kosteneinsparungen zum Ziel haben, sondern auch neue Geschäftsfelder erschließen können", sagte der Chef von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann.

Anders als die Informationstechnik wächst die Telekommunikation nicht so stark. Als Grund nannte BITKOM-Präsident Berchtold einen "extrem scharfen Technologiewettbewerb", der zu sinkenden Gebühren führe. Mit der klassischen Festnetztelefonie geht es der Prognose zufolge weiter bergab. Zusätzlicher Wettbewerb entstehe zudem durch die Internet-Telefonie.

Beim Mobilfunk erwartet der BITKOM trotz der Preisschlacht ein Wachstum von drei Prozent. 95 von 100 Bundesbürgern hätten bereits ein Handy. Der Trend gehe zum Zweit- und Dritt-Handy. Einen Boom sieht der Branchenverband bei der schnellen Datenübertragung im Festnetz.

Um Ausfälle wegen sinkender Gebühren zu kompensieren, setzen die Telekomunternehmen auf den Verkauf von Medieninhalten, die den Datenumsatz steigern sollen. Wie die Telekom will auch der Mobilfunker 02 Mobilfunk, Festnetz und Internet integrieren und so genannte "Triple-Play"-Angebote starten.

Trotz der guten Lage der Branche: Die Zahl der Studienanfänger in der Informatik sowie in den Ingenieurswissenschaften geht seit Jahren zurück. Der daraus resultierende Absolventenschwund könnte aus Sicht des Vereins Deutscher Ingenieure zu einem verschärften Fachkräftemangel führen. Dadurch wiederum drohten zunehmende Verlagerungen von Unternehmensstandorten in Ausland.

2006 wird die Zahl der Jobs in der ITK-Branche nach BITKOM- Prognose - nach einem leichten Anstieg im Vorjahr - insgesamt stagnieren. Ende 2005 waren rund 750 000 Menschen in der Branche beschäftigt. Große Unternehmen bauen aber zigtausende von Stellen ab, alleine die Deutsche Telekom mehr als 30 000 - vor allem in der Festnetzsparte.

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