+
Die CeBIT öffnet ihre Türen vom 16. bis 20. März. Foto: Friso Gentsch

CeBIT träumt vom "digitalen Wirtschaftswunder"

Demnächst werden Dutzende Milliarden Geräte von Industriemaschinen bis zur Zahnbürste über das Internet vernetzt. Die Auswertung der Daten bringt neue Geschäftsmodelle, die ganze Branchen umkrempeln können. Auf der CeBIT bereitet sich die Wirtschaft darauf vor.

Hannover (dpa) - Die Digitalisierung der Wirtschaft sorgt für Hoffnung und Angst auf der CeBIT. IT-Schwergewichte versprechen in Hannover das "digitale Wirtschaftswunder", warnen aber zugleich davor, dass deutsche Firmen abgehängt werden könnte.

"Wer jetzt nicht die Weichen für die Zukunft stellt, ist schnell vom Markt verschwunden", mahnte der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf, zum Start der weltgrößten IT-Messe.

Es gehe um die Frage, ob Deutschland eine Führungsrolle als digitalisierter Industriestandort einnehmen oder das Feld agilen Ländern wie Südkorea, China oder die USA überlassen wolle, sagte Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. "Wir können die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland digital fortschreiben, wenn wir jetzt entschlossen die Voraussetzungen für ein digitales Wirtschaftswunder schaffen."

Netzbetreiber wie Deutsche Telekom und Vodafone wollen dabei eine Schlüsselrolle als Dienstleister für die vernetzte Wirtschaft einnehmen. "Wir werden in den nächsten Jahren das industrielle Internet bauen und damit ein Tor für ganz neue Wertschöpfungsketten aufstoßen", sagte Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum.

Die Telekom will alle Eckpunkte abdecken: Standards setzen, Plattformen bauen, Daten analysieren, Sicherheit bieten, Konnektivität über die Netze herstellen. Unter anderem soll es als Plattform für die vernetzte Technik eine "Cloud der Dinge" geben, sagte der Chef der Dienstleistungstochter T-Systems, Reinhard Clemens.

Deutsche Unternehmen seien heute beim Maschinen- und Anlagenbau an vielen Stellen Weltmarktführer, sagte Clemens. Experten warnen aber schon lange, dass diese Führungsposition mit der voranschreitenden Digitalisierung in Frage gestellt werden könnte. Mit der Vernetzung von Maschinen und Geräten werden Dienste auf Grundlage der erhobenen Daten immer wichtiger.

Die Telekom will über ein Bündnis mit dem Software-Konzern SAP auch mehr Gewicht bei Standards für die vernetzte Industrie bekommen. Allerdings gibt es weltweit - und auch in Deutschland - bereits mehrere Gruppen, die Standards prägen wollen. Zum Jahr 2020 rechnen Experten mit bis zu 50 Milliarden vernetzten Geräten von Industriemaschinen bis hin zu Zahnbürsten.

Der Analyse großer Datenmengen - "Big Data" - wird Kempf zufolge eine zentrale Rolle zukommen. Davon werde es abhängen, wie der digitale Wandel in der Produktion bewältigt werde, sagte er. Anders als in den vergangenen Jahren gehe es heute um die Auswertung vor allem von unstrukturierten Daten in Echtzeit. Bei der Verkehrssteuerung, dem autonomen Fahren und besonders im Gesundheitswesen werde die Analyse großer Datenmengen für enorme Fortschritte sorgen.

Zum CeBIT-Start hob der Bitkom seine Wachstumsprognosen für das laufende Jahr an. Der Umsatz wird in der Branche demnach um 1,5 Prozent auf 155,5 Milliarden Euro wachsen. Zuvor gingen die Branchenbeobachter von einen Anstieg um 0,6 Prozent aus. "Es ist die Digitalisierung, die den Markt treibt", sagte Kempf. Zugleich stelle sie Unternehmen in Deutschland heute vor ähnlich große Probleme wie der Fachkräftemangel, ergab eine repräsentative Bitkom-Umfrage.

Laut IHK Unternehmensbarometer erwarten in Deutschland derzeit 50 Prozent der industriellen Großunternehmen, aber nur 27 Prozent der mittelständischen Firmen durch Digitalisierung ihrer Prozesse Umsatzzuwächse. "Dieses Deutschland der zwei Geschwindigkeiten können wir uns auf Dauer nicht leisten", sagte Microsoft-Manager Rottkay.

Auf der CeBIT in Hannover (16. bis 20. März) sollen unter dem Kunstbegriff "d!conomy" die Besucher Antworten auf alle Fragen zur Digitalisierung aus erster Hand bekommen, sagte Oliver Frese, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG. Die Veranstalter haben die Veranstaltung, zu der einst viele Privatleute kamen, zu einer vor allem auf Unternehmen ausgerichteten Messe umgestaltet.

Telekom-Mitteilung zur CeBIT

Vodafone-Mitteilung

Bitkom-Mitteilung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Scout24 übernimmt Finanzcheck.de
Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Portalbetreiber Scout24 übernimmt das Finanzportal Finanzcheck.de. Der Kaufpreis beläuft sich auf 285 Millionen Euro, wie der …
Scout24 übernimmt Finanzcheck.de
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat am Dienstag nach einem lange richtungslosen Verlauf im späten Handel deutlich angezogen. Als Kursstützen sah Analyst Michael Hewson …
Dax legt im späten Handel deutlich zu und schließt im Plus
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen
Nach Angaben aus Paris wird es keine Ausnahmen für deutsche und andere europäische Unternehmen von den US-Sanktionen gegen den Iran geben
Paris: USA verweigern Ausnahmen von Iran-Sanktionen für EU-Unternehmen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.