Cebit: Zukunftsbranchen hoffen auf Startschuss für Aufschwung

- Hannover - Nur selten hängt die Stimmung einer ganzen Branche so sehr von einem einzigen Ereignis ab: Die Cebit, die diesen Donnerstag beginnt, geht über diesen Anspruch hinaus. Die wichtigste Computermesse der Welt wird zum Orakel, ob auch die Binnenkonjunktur in Europa anspringt oder das Konsumklima weiter im Tal der Tränen verharrt.

<P>Betrachtet man die nackten Zahlen, sieht es nicht so gut aus: 6411 Aussteller haben sich angemeldet, 191 weniger als im Vorjahr. Differenziert ergibt sich ein anderes Bild: Die Zahl der Aussteller aus dem Ausland wächst (um 116 auf 2992), die Deutschen schrauben ihre Cebit-Präsenz zurück (um 307 auf 3726).<BR><BR>Vor allem einheimische Mittelständler sparen an der Messe, heißt es beim Cebit-Veranstalter "Deutsche Messe". Immerhin wollen 39 Prozent der Aussteller ihr Engagement ausbauen, nur vier Prozent wollen es zurückfahren. Im Vorjahr lag dieses Verhältnis noch bei ungünstigen 22 zu zwölf.<BR><BR>In diesem Jahr werden von der Messe besonders wichtige Signale für einen möglichen Aufschwung erwartet. So fällt auf der Cebit für die meisten Anbieter - nach dem Vorpreschen von Vodafone - der offizielle Startschuss für die neue Mobilfunk-Technik UMTS, durch die Multimedia-Anwendungen wie Filme oder Musik auch auf mobile Geräte übertragen kann. und mit der auch die Nutzung der meisten Internet-Dienste unterwegs deutlich verbessert wird. Doch mangels geeigneter Geräte wird UMTS zunächst nicht für Umsatzrekorde sorgen.<BR><BR>Diese Rolle könnte eine Branche übernehmen, die einst auf der Cebit nicht geduldet wurde: Unterhaltung war den Wächtern der strengen Computer-Sitten nicht genehm; sie hatte ja nichts mit schweißtreibender ernsthafter Computerei zu tun. Das hat sich gründlich gewandelt: Das Firmen-Notebook spielt klaglos aktuelle DVD-Videos ab, und die elektronische Geschäftspost kann man locker vom Sofa aus per Fernbedienung am Fernseher erledigen.<BR>Immer mehr Geräte im Haus sind letztlich nichts anderes als Computer mit Spezialaufgaben. Wie sich das auf das tägliche Leben auswirken kann, ist eines der wichtigsten Cebit-Themen. </P><P>Digitalkamera verhandelt mit dem MP3-Player</P><P>Denn die digitalen Geräte basieren auf den gleichen Technologien. So kann der MP3-Spieler (für Musik) über "Bluetooth"-Funk problemlos mit einer Digitalkamera verhandeln (und dieser bei Speichermangel schnell aushelfen). <BR>Drahtlos ist Trumpf: So verschwinden im Haushalt der Zukunft zuerst einmal viele staubfangende Kabel. Die Verbindung vom digitalen Video-Recorder kann per Funknetz abgewickelt werden, ebenso die ins Internet. <BR><BR>Doch auch das Wohnzimmer wird aufgeräumter: Wo sich früher Plattenspieler, Kassettendeck, CD-Player, Radio und Videorecorder türmten, kann man nun locker mit einem Gerät auskommen, das die CDs ebenso schluckt wie diverse DVD-Videoformate, Ultrakurzwelle und Satellitenfernsehen verarbeitet und auch Internet sowie Office-Softwarepakete umfasst - wie der Celeo von Fujitsu-Siemens.<BR><BR>Dazu kommen Geräte mit Funktionen, die man ihnen auf den ersten Blick nicht ansieht. Das Handy mit Kamera, integriertem UKW-Empfänger und MP3-Player ist längst Stand der Technik. Derlei Funktionen lassen sich in unterschiedlichen Geräten beinahe beliebig kombinieren. Es gibt immer mehr Multimedia-Grenzgänger: So gehört ein Taschenmesser mit "USB-Stecker", auf dem man die wichtigsten Computerdaten ständig griffbereit mit sich herumführen kann, zu den Cebit-Neuheiten. Eine Armbanduhr, die im Nebenberuf als MP3-Abspielgerät jobbt (LAKS), erkennt man als solche äußerlich nur an der winzigen Buchse für den Stecker des Kopfhörers.<BR><BR>Auch Traditionsunternehmen tasten sich auf elektronischem Terrain voran. Zwar begibt sich der Gummimischungsspezialist Michelin seit Jahrzehnten regelmäßig auf den Abweg der Gourmet-Tempel-Beurteilung. Doch nach ersten Erfolgen mit Gastro-Reiseführern im digitalen Format etabliert sich der französische Reifenkonzern nun als elektronischer Pfadfinder: Für Computer im Handflächenformat bietet die Marke mit dem Reifenmännchen nun auch Gesamtlösungen zur satellitengestützten Navigation.<BR></P>

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