70 Cent Stundenlohn für die Vorstands-Chefs

- München - Die Schüler von heute sind die Unternehmer von morgen. Diesem Motto folgt das Projekt "Junior - Schüler als Manager". Jugendliche gründen dabei ihre eigene Firma und versuchen ein Jahr lang, ihre Produktidee zu vermarkten. Bayernweit beteiligen sich heuer 4000 Schüler in 59 Nachwuchs-Unternehmen. Vier von ihnen stellten sich zum Start in das Geschäftsjahr 2005/06 in der LfA Förderbank Bayern vor.

Wie Michael Schneider, stellvertretender LfA-Vorstandsvorsitzender, erklärt, fördert Junior "das unternehmerische Handeln und Denken". Denn: "Wir brauchen mehr Gründergeist in Deutschland."

Und früh übt sich, wer Unternehmer werden möchte. So zum Beispiel elf Schüler der Drei-Franken-Volksschule Geiselwind. "Wir haben noch keinen Firmennamen, kein Logo und auch keinen Produktnamen - aber wir arbeiten daran", erklärte die zwölfjährige Geschäftsführerin Daniela Gerstner. Zumindest steht schon das Produkt fest: Trennwände, die das Abschreiben bei Schulaufgaben verhindern.

Viel weiter bei der Geschäftsplanung waren die 17 Schülerinnen der Augsburger Agnes-Bernauer-Realschule für Mädchen. Sie hatten bereits Prototypen ihrer Taschen aus Kunstleder und Malervlies dabei. Und auch die Gehälter sind bei der "creative company" schon festgelegt worden: Arbeiter bekommen 60 Cent, die Vorstandsvorsitzenden Sabrina Morgado und Nihal Arkac erhalten 70 Cent Stundenlohn.

"Die Schüler lernen bei Junior die wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen, müssen im Team zusammenarbeiten und Entscheidungen treffen", so Marion Hüchtermann, Projektleiterin beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. "Aber auch Leistungsbereitschaft und Glück gehören dazu, um Karriere zu machen", ergänzte Michael Mötter, stellvertretender Geschäftsführer des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (BBW). IW und BBW organisieren das Junior-Projekt.

Mit gleich zwei Geschäftsbereichen will das 18-köpfige Team des Jakob-Bruckner-Gymnasiums Kaufbeuren erfolgreich sein. Die Mädchen und Buben bieten ein Grundlagen-Training für Fremdsprachen (Kosten: 2,50 Euro pro Stunde) sowie ein Kochbuch für Schüler an. "Etwas mulmig ist uns jetzt vor der ersten Hauptversammlung", erklärte Geschäftsführerin Sarah Scherrer. Denn alle Firmen erhalten ihr Startkapital durch Aktienverkäufe.

Als viertes präsentierte das Mädchen-Team um die Vorstandsvorsitzenden Andrea Klement und Bernadette Kallen vom Münchner Max-Josef-Stift ihre Geschäftsidee: Unter dem Namen "tactic creative clock" produzieren die 13 Schülerinnen des Leistungskurses Wirtschaft Designer-Stand- und Wanduhren.

Im Vorjahr alles richtig gemacht hatte die Firma "colorata". Die sieben Schüler des Gertrud-von-Le-Fort-Gymnasiums Oberstdorf wurden mit ihrem Malbuch als Kinderreiseführer fürs Allgäu Bundessieger. Ihre Aktien stiegen vom Ausgabepreis zehn Euro auf rund 68 Euro.

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