Chance für die deutsche Wirtschaft: Firmen profitieren vom Klimawandel

- Berlin - Die These ist provokant: "Ich glaube, dass der Klimawandel für viele Unternehmen eine riesige Chance ist", sagt Frank Mattern. Damit widerspricht der Chef der größten deutschen Unternehmensberatung McKinsey sämtlichen Experten, die als Folge des Klimawandels vor allem eins prognostizieren: immense Kosten für die Wirtschaft.

Fast 800 Milliarden Euro könnte der Klimawandel die deutschen Unternehmen bis zum Jahr 2050 kosten, errechnete kürzlich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer Klimastudie. "Wir sind in Deutschland Technologieführer bei Erneuerbaren Energien", führt Unternehmensberater Mattern in der neuen Ausgabe des "Manager Magazins" dagegen ins Feld. "Wir haben dort einen Vorsprung, der auf beträchtliche Investitionen und auch Subventionen zurückzuführen ist", sagt Mattern weiter. Umwelttechnik sei ein großes Thema bei der Energieerzeugung. Auch in der Kernenergie habe Deutschland technologisch eine Menge zu bieten. Deshalb plädiert Mattern dafür, den geplanten Atomausstieg zu überdenken.

Erste Erfolgszahlen des kommerziellen Klimaschutzes gibt es: Seit dem Jahr 2000 ist das Exportvolumen Erneuerbarer Energien (EE) von einer halben Million Euro auf heute sechs Milliarden Euro angewachsen. Für 2010 wird eine Exportsteigerung auf 15 Milliarden Euro erwartet.

Weltweit wachsen die Investitionen in Wind- und Wasserkraft, Solar- und Bioenergie sowie Erdwärme rasant. Neben China und Indien verzeichnen hier vor allem die USA enorme Zuwachsraten. In nur sieben Jahren hat sich das Volumen des Weltmarktes für nachhaltige Energien von 30 auf jetzt 60 Milliarden verdoppelt. Im Jahr 2020 wird dieser Markt auf mehr als 400 Milliarden Euro angewachsen sein.

Die deutsche Branche profitiert von diesem Boom ganz besonders. Bereits im vergangenen Jahr waren insgesamt rund 214 000 Menschen in der Herstellung, Installation und im Betrieb umweltfreundlicher Anlagen beschäftigt. Durch steigende Investitionen und den florierenden Export erwartet die EE-Branche in diesem Jahr mindestens 15 000 neue Arbeitsplätze in Deutschland.

Besonders die Solarindustrie zählt hier zu den am schnellsten wachsenden Technologien. "Nirgendwo auf der Welt existiert eine so hohe Dichte an Solarfabriken und solartechnischen Forschungseinrichtungen", erklärt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Davon profitieren auch andere Industriezweige wie Maschinenbau, Handwerk und Baugewerbe.

Peter Ahmels, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, blickt ebenfalls optimistisch in die Zukunft: In den nächsten drei Jahren sollen allein in der Windenergie 60 000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen.

Grund für die deutsche "Pole-Position" sind die stabilen politischen Rahmenbedingungen: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000 und seine Vorläufer haben einen breiten und stabilen Heimatmarkt für Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ermöglicht.

Trotz der deutschen Vorreiterrolle warnen Branchenkenner davor, sich jetzt zurückzulehnen. Auch ausländische Unternehmen haben den wachsenden Markt bereits für sich entdeckt. Der US-Konzern General Elec-tric will seinen Umsatz mit umweltfreundlichen Technologien bis 2010 auf mindestens 20 Milliarden Dollar verdoppeln. McKinsey-Chef Mattern warnt deshalb davor, den Anpassungsprozess der Wirtschaft an den Klimawandel durch gesetzliche Vorschriften zu überfordern.

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