Die Chance zu wachsen: Warum Air Berlin Wöhrls dba übernimmt

- München - Hans Rudolf Wöhrl hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sein Engagement bei der Fluggesellschaft dba als befristet betrachtete. Doch kam sein Rückzug überraschend. Bislang galt als ausgemacht, dass Wöhrl die Gesellschaft mit der von ihm mehrheitlich übernommenen LTU zu einem global agierenden Verbund zusammenschmieden wollte.

Nun behält er zwar die noch sanierungsbedürftige LTU, verkaufte aber die dba an Air- Berlin. Das passt, heißt es auf der einen Seite. Dahinter stecken zwei starke Unternehmerpersönlichkeiten. So sehen es auch die Beteiligten: "Für uns bietet sich die Chance, ganz schnell zu wachsen", sagt Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, der von einem Wunsch-Partner spricht.

Andererseits sind Hunold und Wöhrl zwar befreundet, aber auch grundverschieden: Während dem Nürnberger Wöhrl die Sanierung der vormaligen Tochter von British Airways im Schulterschluss mit den Gewerkschaften, vor allem der mächtigen (Piloten-)Vereinigung Cockpit (VC), gelang, macht Hunold keinen Hehl daraus, dass er von Vertretungen der Arbeitnehmer nichts hält. Doch soll sich für die Beschäftigten zunächst nicht gar so viel ändern.

Die dba bleibt zumindest vorläufig ein eigenständiges Unternehmen mit Sitz und Zentrale am Münchner Flughafen, hieß es gestern dort. Andererseits sprach Hunold nach der Bekanntgabe des Zusammenschlusses von Kosteneinsparungen von 71 Millionen Euro, die sich nicht nur durch Synergien im Einkauf und Marketing, sondern auch in der Verwaltung ergeben sollen. Also weniger Personal.

Hunold sagte dem "Tagesspiegel" das Gegenteil: "Ein Unternehmen, das wachsen will, braucht auch neue Mitarbeiter. Deshalb werden wir in den kommenden Monaten weitere Leute einstellen." Wie viele das seien, werde sich aber erst nach dem Zusammenschluss zeigen. Die sonst nicht gerade zurückhaltende Pilotengewerkschaft VC traut sich zunächst keine Bewertung zu.

Lediglich, dass sich Verhandlungen mit Hunold zäher gestalten als mit Wöhrl, sagte ein Sprecher. Die Streckennetze der beiden Gesellschaften passen zueinander. Schon bisher arbeiten beide zusammen. Während der dba-Sanierung wurden überzählige Piloten an die expandierende Air Berlin ausgeliehen. In den letzten Monaten flog die dba vermehrt mit Nürnberg bereits eines der internationalen Drehkreuze von Air Berlin an. Während die Berliner Gesellschaft traditionell Ferienreisende als wichtigste Kundengruppe hat, setzte die bisherige Münchner Konkurrenz auf preisbewusste Geschäftskunden.

Daraus ergeben sich Synergien: In Ferienzeiten, in denen das dba-Geschäft weniger brummt, wurden bereits bisher Maschinen samt Crews an Air Berlin ausgeliehen, wo man jetzt die größte Nachfrage verzeichnet. Dies dürfte nun noch leichter werden. Unklar ist noch, wie sich der neue Verbund auf die Preisgestaltung auswirken wird. Jetzt gibt es unter den Billigfliegern einen Wettbewerber weniger. Doch standen die dba und Air Berlin bislang kaum in einem wirklichen Konkurrenzverhältnis. Sicher dagegen ist, dass die Lufthansa, die bisherige Nummer eins auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt, nun vom Bündnis der bisherigen Nummer zwei mit der Nummer drei angegriffen wird. Die Attacke auf den Kranich läuft auch künftig über den Preis.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare