Chancen für ältere Mitarbeiter

- München - Ältere, jenseits der 50, gelten auf dem Arbeitsmarkt als kaum vermittelbar. Das muss sich ändern - wenn man verhindern will, dass die Sozialkassen zusammenbrechen. BMW hat mit dem neuen Werk in Leipzig einen viel beachteten Anfang gemacht. Gezielt wurden Ältere angeworben - auch um eine ausgewogene Personalstruktur und einen nachhaltigen und stetigen Wechsel zu ermöglichen. Doch auch an anderen Orten richtet sich der Münchner Konzern auf ältere Mitarbeiter ein.

"Wir müssen uns darauf einstellen", sagt Personalvorstand Ernst Baumann und verweist auf die demographische Entwicklung. So werden Hindernisse, die Älteren das Arbeiten erschweren können, abgebaut. "Arbeiten über Kopf" zum Beispiel gebe es bei BMW schon längst nicht mehr.Bereits heute hält sich der Autohersteller bei der Frühverrentung eher zurück. Altersteilzeit - laut Gesetz noch bis 2009 möglich - wird lediglich fünf Prozent der Beschäftigten angeboten. Oft zur Enttäuschung derer, die nicht zum Zug kommen, sagt Baumann. Denn offenbar wollen mehr bereits vor der Altersgrenze kürzer treten.Baumann verteidigt die geltende Altersteilzeitregelung, bei der Gehaltsverluste weitgehend durch Zuschüsse aus den Sozialkassen ausgeglichen werden. "Jung für Alt", das sei politisch gewollt gewesen. "Das wird heute häufig vergessen", sagt Baumann. Für jeden, der über Altersteilzeit vorzeitig in den Ruhestand wechselt, muss eine neue Stelle für einen Jüngeren geschaffen werden.Auch über die jetzt geltende Regelung hinaus hält es Baumann für sinnvoll, Mitarbeitern auch künftig einen früheren Wechsel in den Ruhestand zu ermöglichen, wobei die Bezüge versicherungsmathematisch gekürzt werden. So gerechnet würden Einkommensabschläge deutlicher ausfallen als bisher üblich. Denn sowohl eine kürzere Einzahlungszeit als auch die längere zu erwartende Bezugsdauer schmälern die Renten entsprechend. Das dürfte in der Regel eher zu einer längeren Lebensarbeitszeit führen. Die Gründe, warum BMW in Leipzig gezielt auch ältere Mitarbeiter anwarb, waren durchaus betriebswirtschaftlich motiviert. So nennt Baumann die hohe Qualifikation der in der DDR ausgebildeten Techniker - die dennoch zum Teil jahrelang arbeitslos gewesen waren, bevor ihnen BMW einen neuen Anfang ermöglichte.Zusätzlich sorgt eine ausgewogene Altersstruktur dafür, dass für ein belebendes Kommen und Gehen gesorgt ist. "Gesunde Fluktuation", nennt das Baumann. So werden ältere Mitarbeiter zeitlich gut verteilt immer wieder durch jüngere ersetzt. Würde man nur Junge einstellen, stünde man, wenn diese älter werden, vor einem harten Bruch, weil ganze Teams in kurzer Zeit ersetzt werden müssten.Gleichzeitig schafft eine gesunde Altersstruktur auch Chancen für Bewerber um Stellen. Denn auch bei BMW sind die Zeiten eines deutlichen Personalaufbaus nach 11 000 zusätzlichen Stellen in den letzten vier Jahren vorerst vorbei. Einstellungen gebe es nur für Fälle, in denen Stellen wiederbesetzt werden müssen und in Einzelfällen bei hoch spezialisierten Aufgaben.

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