Chaos in der Hauptreisezeit: Spart sich British Airways kaputt?

- London - "Ich fliege nie wieder British Airways. Die Fluglinie gehört auf den Abfallhaufen", tönte eine wütende Passagierin ins Mikrofon des 24-Stunden-Kanals der BBC. Ihr kategorisches Urteil vor den Ohren und Augen der Welt dürfte für das Image der führenden britischen Fluggesellschaft verheerend sein. Manche der übrigen 1500 Passagiere, für die Terminal 1 des Londoner Flughafens Heathrow Anfang dieser Woche zum provisorischen Nachtlager wurde, nahmen ihr Schicksal gelassener hin. Ein Männerchor aus Erlangen heiterte die Frustrierten mit einer spontanen Einlage auf.

<P>Insgesamt waren am Montag und Dienstag dieser Woche mehr als 8000 Fluggäste von der Streichung von 81 BA-Flügen ins europäische Ausland betroffen. An den Eincheck-Schaltern stehe nicht genug Personal zur Verfügung, ließ die Fluggesellschaft mitten in der Hauptreisezeit lakonisch wissen. 20 der 180 zum Dienst eingetragenen Angestellten seien nicht erschienen. Neues Personal müsse noch geschult werden.<BR><BR>Das, so urteilte der "Independent", könne nicht der alleinige Grund für das heillose Chaos gewesen sein. Die Zeitung macht bei BA eine Mischung von geringer Arbeitsmoral, unentschuldigtem Fernbleiben vom Arbeitsplatz und gestreckten menschlichen und technischen Ressourcen aus. Nach Einschätzung des Boulevard-Blatts "Daily Mail" muss British Airways jetzt zu den Opfern der "englischen Krankheit" gezählt werden: "Arrogantes Personal, inkompetentes Management, widerspenstige Gewerkschaften und sinkende Standards" seien zum Markenzeichen der größten Fluggesellschaft der Welt geworden.<BR><BR>Dabei hatte es noch vor wenigen Tagen Zeichen der Hoffnung gegeben. In Marathon-Gesprächen mit den Gewerkschaften gelang es der BA-Führung, einen angedrohten Streik beim Schalter- und Gepäckabfertigungspersonal am kommenden Wochenende abzuwenden. BA sagte den 10 000 Beschäftigten des Bodenpersonals Lohn- und Gehaltserhöhungen in einem Umfang zu, der in Deutschland oder anderen europäischen Ländern gegenwärtig kaum vorstellbar ist. 8,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt über drei Jahre sowie eine einmalige Auszahlung von 1500 Euro in drei Stufen.<BR><BR>Die Gewerkschaften akzeptierten dafür eine Regelung über das unentschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Mit 17 Tagen Abwesenheit pro Beschäftigtem pro Jahr - doppelt so viel wie der nationale Durchschnitt - hielt BA bisher den britischen Rekord. Jetzt wurde die Obergrenze der ärztlich nicht genehmigten Krankmeldungen auf zehn Tage pro Jahr beschränkt. Wer sich daran hält, wird mit einer Sonderprämie belohnt.<BR><BR>Unter der Führung des Australiers Rod Eddington hatte BA - trotz der harten Konkurrenz von den Billigfliegern - in diesem Jahr einen Gewinn von 230 Millionen Pfund ausgewiesen. Das Sparprogramm - mit der Streichung von 13 000 Stellen - etwa einem Viertel des Gesamtpersonals - war aus der Sicht der Geschäftsführung gut angelaufen. In den letzten drei Jahren wurden rund 1,5 Milliarden Euro an Kosten eingespart. Bis 2006 sind weitere Kürzungen von 450 Millionen Euro geplant. Die Gewerkschaften behaupten, zu viele freie Stellen seien nicht wieder besetzt worden. "Die Sorge ist, dass British Airways mit den Einsparungen zu weit gegangen ist. Das wirkt sich bei der Qualität des Service aus", sagte Analyst Damien Horth von der Investmentbank UBS der "Financial Times".<BR></P>

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