Christian Bredl, Chef der Techniker-Krankenkasse in Bayern

Nachgefragt

Schlechte Nachrichten für die Versicherten: „Kassen werden Beiträge nicht halten können“

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Die gesetzlichen Kassen erzielten zuletzt Überschüsse. Doch eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung malt schwarz, was die Zukunft betrifft. Der Chef der Techniker-Krankenkasse sieht neue Belastungen auf die Versicherten zukommen.

Spätestens ab Mitte der 20er-Jahre werde sich die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen „in Richtung Defizit“ öffnen. Unsere Zeitung fragt nach bei Christian Bredl, dem Bayern-Chef der Techniker Krankenkasse – mit über 10 Millionen Versicherten die größte Kasse Deutschlands.

Herr Bredl, laut einer Studie drohen den Krankenkassen nach fetten Jahren künftig wieder Defizite. Heißt das, dass die Versicherten mit steigenden Beiträgen rechnen müssen?

Ja, grundsätzlich heißt es das. Reduziert sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, sinken die Beitragseinnahmen. Gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben derzeit in der gesetzlichen Krankenversicherung mit rund fünf Prozent pro Jahr. Das liegt deutlich über der allgemeinen Inflationsrate. Die Ursache dafür sind unter anderem teure Reformen aus der laufenden und der vorangegangenen Wahlperiode. Hält diese Entwicklung an, werden die Krankenkassen ihre heutigen Beitragssätze auf Dauer nicht halten können.

Die Kosten steigen schon länger. Warum kam es denn nicht schon in den letzten Jahren zu Beitragssteigerungen?

Bisher konnten die Mehrausgaben durch die gute Beschäftigungslage und die starke Zuwanderung aufgefangen werden, die auch die Einnahmen hoch hielten. Darauf, dass es so weiter geht, kann man sich aber zukünftig nicht verlassen. Wir schätzen die Mehrausgaben durch die Reformen auf 10 bis 15 Milliarden Euro jährlich.

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Wie könnte die Politik dieser Entwicklung denn entgegensteuern?

Jetzt ist es umso wichtiger, verstärkt die Potenziale der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu nutzen. Das hat auch Gesundheitsminister Jens Spahn erkannt und ist auf diesem Feld sehr aktiv. Genauso wichtig ist es aber, die vorhandenen Mittel aus dem Gesundheitsfonds endlich fair zu verteilen. Ich begrüße deshalb sehr, dass das Bundeskabinett gerade den Entwurf des Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetzes verabschiedet hat. Es sollte im weiteren parlamentarischen Verfahren auch keine Kursabweichungen mehr geben. Denn falls einzelne Kassenarten weiter Beträge in Milliardenhöhe erhalten, die sie für die Versorgung der Versicherten nicht benötigen, fehlen diese Mittel weiterhin anderen Kassen. Dann drohen perspektivisch sogar auch Kassenpleiten.

Die Fragen stellte Sebastian Horsch

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