Chef-Gehälter: Geheimniskrämer unter Druck

- München- Der Vorstoß des Versicherungskonzerns Allianz zur Offenlegung der Manager-Gehälter hat offenbar Bewegung in die Diskussion gebracht. Immer mehr Dax-Firmen kündigten eine Abkehr von der bisherigen Geheimhaltungspraxis an. Unterdessen verstärkten führende Politiker der Regierungskoalition den Druck auf die anderen Firmen.

<P>Auch der Reisekonzern Tui wolle die Bezüge seiner Vorstände nun offen legen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Siemens hatte bereits von ähnlichen Überlegungen gesprochen, auch bei Eon und Henkel würden entsprechende Schritte geprüft.</P><P>Bisher legten erst elf der 30 im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen die Bezüge ihrer Top-Manager völlig offen. In der übernächsten Aufsichtsratssitzung im November stehe das Thema auf der Tagesordnung, gab die Tui an. Dann solle der Einzelausweis beschlossen werden. Auch bei Siemens könnte dem Bericht zufolge noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen. "Im Unternehmen wird über eine baldige Offenlegung nachgedacht", sagte ein Unternehmenssprecher. Das Thema stehe auf der Agenda der Aufsichtsratssitzung im November. "Wir beobachten eine Tendenz zu mehr Offenheit. Der will sich Siemens nicht verschließen."</P><P>Die Bundesregierung und die Bayerische Staatsregierung begrüßten den Entschluss der Allianz. "Das ist genau der Bewusstseins- und Kulturwandel, auf den wir setzen", sagte ein Sprecher von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) der Zeitung. Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erwartet, dass "nach dem absolut richtigen Schritt" weitere Konzerne folgen.</P><P>Bei Eon und Henkel hieß es allerdings, es sei noch unklar, wie im nächsten Geschäftsbericht verfahren werde. Beide Konzerne erwägten aber einen Einzelausweis. Der Metro-Konzern sehe zwar in der Offenlegung der Vorstandsgehälter kein wichtiges Kriterium für die Transparenz eines Unternehmens und warne davor, die Corporate-Governance-Diskussion auf diesen Blick zu verengen, wolle sich der Einzelangabe aber auch nicht verschließen, hieß es. Ein Sprecher des Autozulieferers Continental sagte: "Der Aufsichtsrat beobachtet, wie das Thema in der Branche behandelt wird."</P><P>Unterdessen wachse der Druck auf die "Verweigerer", unter ihnen die Lufthansa, BASF, Beiersdorf, BMW, Daimler-Chrysler, Volkswagen, Münchener Rück und Infineon. Die von der Bundesregierung gesetzte Frist bis zum Frühjahr 2005 hielten führende Politiker von SPD und Grünen für zu lang. So wolle der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, nur noch bis Ende September abwarten. "Im Oktober müssen wir dann zu einer Bewertung kommen." Auch der Wirtschaftsexperte der Grünen, Fritz Kuhn, wolle notfalls noch im Herbst per Gesetz mehr Transparenz erzwingen.</P>

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