Der Chefsessel als Schleudersitz: Manager werden schneller gefeuert

München - Es ist offenbar die Kehrseite der vielgescholtenen Millionengehälter: Der Chefsessel wird für deutsche Topmanager immer häufiger zum Schleudersitz.

Die Liste der Vorstandsvorsitzenden großer Konzerne, die in diesem Jahr mehr oder weniger freiwillig ihre Posten räumen mussten, ist lang und klangvoll: Siemens-Chef Klaus Kleinfeld steht ebenso darauf wie Metro-Chef Hans-Joachim Körber, WestLB-Chef Thomas Fischer und der Chef des Stromkonzerns Vattenfall Europe, Klaus Rauscher.

Dass es sich bei diesen Fällen nicht um Einzelfälle handelt, zeigt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton über Wechsel auf Chefpositionen im Jahr 2006. Danach ist die Verweildauer der Unternehmenslenker im Amt in Europa in den vergangenen Jahren von gut acht auf weniger als fünf Jahre gesunken. Die Zahl der Auswechselungen wegen mangelnden Erfolgs habe sich seit 1995 mehr als verdreifacht.

Am spektakulärsten war 2007 wohl der Abgang Klaus Kleinfelds: Nach zwei Jahren und drei Monaten quittierte der Siemens-Chef im Frühjahr den Dienst, als der Aufsichtsrat des Münchner Technologiekonzerns trotz glänzender Unternehmenszahlen zögerte, seinen Vertrag zu verlängern. Hintergrund war der beispiellose Korruptionsskandal.

Kleinfeld war innerhalb von gut zwei Jahren vom Wunderkind zum Prügelknaben geworden. Schuld daran war allerdings nicht nur der Skandal um schwarze Kassen bei Siemens. Schon zuvor war sein Image angekratzt. Am Ende war Kleinfeld der am kürzesten amtierende Siemens-Chef in der 160-jährigen Firmengeschichte. Doch der Manager fiel weich. Bei seinem Abgang erhielt er von Siemens noch eine Sonderzahlung von 5,75 Millionen Euro. Wenig später trat er einen hoch dotierten Posten im Management des US-Aluminiumherstellers Alcoa an.

Knall auf Fall verließ in diesem Jahr auch der Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber, den Konzern. Der Manager hatte das Düsseldorfer Unternehmen durch eine massive Auslandsexpansion zu einem der größten Handelskonzerne der Welt gemacht. Nach einem Wechsel in der Eigentümerstruktur sah er seine Handlungsmöglichkeiten aber offenbar eingeschränkt und trat lieber ab.

Die Fälle Kleinfeld und Körber verbindet, dass es die Manager selbst waren, die die Konsequenzen zogen. Und, dass sie letztlich gesunde Konzerne hinterließen: Es waren sozusagen Luxus-Kündigungen. Andere Manager zahlten den Preis für Krisen, in die die Konzerne unter ihrer Führung geraten waren.

Tief war etwa der Fall für WestLB-Chef Thomas Fischer: Dem ursprünglich als Retter der schwer angeschlagenen Bank angetretene Manager setzte der Aufsichtsrat nach nur dreieinhalb Jahren den Stuhl vor die Tür. Vom Hoffnungsträger war er zur "Persona non grata" geworden. Auslöser dafür waren misslungene Aktienspekulationen, durch die die Bank mehr als 600 Millionen Euro verlor, sowie angebliche Mängel bei der Information des Aufsichtsrats über die Risiken der Spekulationsgeschäfte. Inzwischen sucht die in die roten Zahlen gerutschte Bank händeringend nach einem Fusionspartner. Der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, trat wegen der Pannenserie in den Atomkraftwerken des skandinavischen Konzerns und des misslungenen Krisenmanagements zurück.

In vielen Fällen bleibt der Grund des Rücktritts für Außenstehende allerdings ominös. Etwa beim Chef des baden-württembergischen Stromversorgers EnBW Utz Claassen, der Ende September seinen Hut nahm - aus "strukturellen, professionellen, persönlichen und familiären Gründen", wie es vieldeutig hieß.

Besonders gefährdet scheinen Topmanager in der Telekommunikationsbranche zu sein. Der Geschäftsführer des drittgrößten deutschen Mobilfunkbetreibers E-Plus, Michael Krammer, trat im Januar nach nicht einmal acht Monaten im Amt zurück - aus "persönlichen Gründen", wie mitgeteilt wurde. Der mit sinkenden Umsätzen kämpfende Münchner Mobilfunkanbieter O2 löste im Juni Vorstandschef Rudolf Gröger ab.

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