Chefsessel vererben: Auch ein zwischenmenschliches Problem

- München - In zahlreichen Unternehmen steht derzeit ein Generationenwechsel an. Laut einer Studie des Wirtschaftsmagazins "Impulse" denkt jeder fünfte Mittelständler darüber nach, innerhalb der nächsten zehn Jahre von der Firmenspitze abzudanken. Dabei liegt vielen dieser 190 000 Chefs am Herzen, dass ihr Betrieb, den sie oft selber gegründet haben, weiterlebt. Es steht also eine Übergabe an Kinder, Mitarbeiter oder Fremde bevor. Die behindern aber nicht nur finanzielle, rechtliche oder steuerliche Fragen. Nach Meinung von Experten sorgen auch zwischenmenschliche Spannungen für Probleme. Scheitert der Wechsel, stirbt nicht nur das Unternehmen, auch die Arbeitsplätze sind gefährdet.

<P>"Oft kann der alte Firmenchef nicht loslassen und mischt sich immer wieder in das Geschäft mit ein", erklärt Christian Glas, der bei der Handwerkskammer für das Thema Unternehmensnachfolge zuständig ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein Vater den Chefsessel an seine Nachkommen vererben will. Der zieht sich häufig nicht wie ausgemacht aus dem Geschäft zurück. Oder noch schlimmer: behandelt den erwachsenen Sohn oder seine Tochter wie Kinder und mindert so deren Ansehen bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten.<BR><BR>Mitunter machen aber auch die Nachfolger an der Unternehmensspitze Schwierigkeiten. Nämlich dann, wenn sie mit einem Schlag den ganzen Betrieb umkrempeln wollen. So kann es dazu kommen, dass Mitarbeiter überfordert sind und Änderungen abblocken - was dazu führt, dass sie den neuen Chef nicht anerkennen, wie Fachleute wissen.<BR><BR>Um derartige Spannungen zu vermeiden, empfiehlt Christian Glas vor allem eines: Die Betriebsübergabe rechtzeitig und sorgfältig vorbereiten. "Sie ist eine der wichtigsten Managementfunktionen überhaupt", meint er. Ab einem Alter von 55 Jahren sollten sich die Chefs überlegen, wer einmal das Unternehmen weiter führt. "Viele schieben das aber gerne raus", erzählt Glas.</P><P>Hat der bisherige Geschäftsführer einen Nachfolger ausgewählt, sollten beide genau festlegen, wie und in welchem Zeitraum der Wechsel an der Führungsspitze von statten gehen soll. "Das kann so aussehen, dass der alte Chef seinem Nachfolger noch eine Zeit lang als Berater zur Seite steht. Denn keiner kennt das Unternehmen so wie er", sagt Konrad Zipperlen, der bei der Industrie- und Handelskammer mittelständische Unternehmen betreut.<BR><BR>Auf jeden Fall sollte man einen solchen Übertragungsplan schriftlich niederschreiben, rät er. Mit das Wichtigste dabei ist, die Aufgaben und Zuständigkeiten klar abzugrenzen, damit es zu keinem Kompetenzgerangel kommt. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Familienbetrieb in die Hände von mehreren Kindern übergeht. Da deren Beziehung oft emotional geprägt ist, sollten die Führungsaufgaben klar verteilt werden: "Einer kann beispielsweise den kaufmännischen Bereich übernehmen, während sich der andere um die Technik kümmert."<BR><BR>Auch der Einführung des Nachfolgers gegenüber allen Bezugspersonen kommt eine große Bedeutung zu. "Er muss an die inneren und äußeren Kontakte herangeführt werden", meint Konrad Zipperlen. Gegenüber den Mitarbeitern könnte der Neue beispielsweise bei einer Betriebsversammlung vorgestellt werden. Bei Lieferanten oder Finanziers hilft ein persönliches Gespräch.<BR><BR><BR></P>

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