Chefsessel wurde für viele Spitzenmanager zum Schleudersitz

- München - Wie tief ein Top-Manager fallen kann, hat in diesem Jahr wohl niemand härter erfahren als Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban. Vor vier Jahren war er mit viel Vorschusslorbeeren als Retter angetreten, um Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern zu sanieren. Doch als er im Mai dieses Jahres aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, war die Lage des Unternehmens schlechter als zuvor. Und kein Geringerer als Bundeskanzler Gerhard Schröder kommentierte die Karstadt-Krise mit den Worten: "Das war Management-Versagen in seiner krassesten Form."

<P>Nach einer Studie der Managementberatung Booz Allen Hamilton sitzen deutsche Manager auf einem Schleudersitz, wenn sie die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen. Im vergangenen Jahr 2003 etwa sei hier zu Lande jeder zweite Wechsel an der Konzernspitze von Großunternehmen auf Grund mangelhafter Leistungen erfolgt.<BR>In der Serie von Rücktritten war Urban kein Einzelfall. Bereits zwei Monate vor ihm hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher, einer der schillerndsten deutschen Konzernbosse, Knall auf Fall seinen Hut genommen. Immer wieder hatte der 45-Jährige mit spektakulären Aussagen wie der Drohung, den Firmensitz aus steuerlichen Gründen ins Ausland zu verlegen, für Schlagzeilen gesorgt. Schließlich soll es im Aufsichtsrat zu einer Generalabrechnung mit der Unternehmenspolitik Schumachers gekommen sein.<BR><BR>Manchmal reichten auch schon einige tausend Euro zum Verlust des Chefpostens. So musste Bundesbankpräsident Ernst Welteke im April nach viereinhalb Jahren an der Spitze der deutschen Notenbank seinen Chefsessel räumen, weil er sich zusammen mit seiner Familie von der Dresdner Bank zu einem 7660 Euro teuren Silvesteraufenthalt im Berliner Luxus-Hotel Adlon hatte einladen lassen. Pikant, denn die Bundesbank beaufsichtigt die anderen Kreditinstitute Deutschlands.<BR><BR>Rewe-Chef Dieter Berninghaus trat im Oktober nach nur sechs Monaten an der Spitze des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers wegen einer schwerwiegenden Erkrankung zurück. Einen Monat später wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Manager wegen des Verdachts des Betruges und der Steuerhinterziehung ermittelte.<BR><BR>Doch auch Erfolg schützt Manager nicht unbedingt vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. So verabschiedete sich im März der Chef des Fernsehimperiums Pro-Sieben-Sat-1, Urs Rohner, von seinem Posten und machte einem Vertrauten des neuen Haupteigners Haim Saban Platz. Dabei war es Rohner gelungen, den Gewinn der Gruppe zu verdreifachen.<BR><BR>Manchmal wartet auf die Manager allerdings auch schon bald nach dem Abgang die nächste Aufgabe. So hat der Ex-Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard einen wilden Ritt auf der Karriere-Achterbahn hinter sich. Eigentlich sollte er in diesem Jahr den Chefposten bei der Edelmarke Mercedes übernehmen. Doch zwei Tage vor Amtsantritt wurde er entmachtet. Mit der Ankündigung eines harten Sanierungskurses hatte er vor allem die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gegen sich aufgebracht. Doch der Karriereknick war nur von kurzer Dauer. VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der selbst einst bei BMW den Hut genommen hatte, sicherte sich die Dienste des Managers. Spätestens ab 2006 soll Bernhard Chef der wichtigsten Konzernmarke Volkswagen werden.</P>

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