Chefvolkswirte dämpfen Angst vor Ölpreisschock durch Nahost-Krise

- Hamburg - Die Chefvolkswirte führender Großbanken sehen die Konsequenzen des bisherigen Ölpreisanstiegs durch die Zuspitzung in Nahost gelassen. "Wenn der Ölpreis für längere Zeit auf 85 Dollar steigt, würde das ein oder zwei Zehntel Prozentpunkte globales Wirtschaftswachstum kosten".

Das sagte der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, der "Financial Times Deutschland". Ähnlich äußerten sich Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, und Eric Chaney, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley. Ein ernstes Risiko sei allerdings, dass der Iran in den Konflikt zwischen Israel und der islamischen Hisbollah-Miliz hineingezogen werde und echte Lieferengpässe den Ölpreis für längere Zeit über die Marke von 100 Dollar pro Faß treibe, sagte Chaney. Aus Sicht des Deutsche-Bank-Experten Norbert Walter könne dies zu einem weltweiten Abschwung führen. Chaney sagte, selbst dann sei aber eine tiefe Rezession wie 1973 unwahrscheinlich.

"Der Ölpreis hat für die Weltwirtschaft heute nicht mehr ganz die Bedeutung wie in den 70er Jahren", sagte Heise. Die globale Konjunktur habe auch den Anstieg des Ölpreises von knapp 30 Dollar auf rund 70 Dollar seit 2004 gut weggesteckt, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt von der Deka-Bank. Dies lasse hoffen, dass auch die Verteuerung auf 80 Dollar zu verkraften sei. "Prozentual gesehen ist der jüngste Anstieg nicht mehr sehr groß", sagte Krämer.

Auch die Investitionstätigkeit im Rest der Welt dürfte nach Aussage der Experten durch den Konflikt kaum beeinflusst werden, so lange der Ölpreisanstieg begrenzt bleibe. "So tragisch die Lage in Nahost aus humanitärer Sicht ist - ein solcher Konflikt reicht nicht, um dem globalen Konjunkturzyklus eine neue Richtung zu geben", sagte Krämer.

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