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Abschiedsfeier für Michael Diekmann (l.) er übergab an Oliver Bäte.

„Es war intensiv, hat aber Spaß gemacht“

Allianz leitet Chefwechsel ein

München - Zwölf Jahre lang hat Michael Diekmann die Geschicke der Allianz gelenkt. Am Mittwoch war sein letzter Arbeitstag – Stabübergabe an seinen Nachfolger Oliver Bäte. Eine Bilanz.

Ein wenig Wehmut schwingt mit, als Michael Diekmann zum Ende kommt. „Der heutige Tag ist nach 27 Jahren – davon genau zwölf Jahre als Vorstandsvorsitzender – mein letzter Arbeitstag bei der Allianz“, sagt der 60-Jährige.

Mehr als 3000 Aktionäre blicken ihm in der Münchner Olympiahalle entgegen. Sie applaudieren. Diekmann galt immer als Mann, der seine Versprechen hält. Nach zwölf Jahren an der Spitze von Europas größtem Versicherer kann sich seine Bilanz sehen lassen.

Als Diekmann 2003 die Nachfolge von Henning Schulte-Noelle antritt, übernimmt er ein schweres Erbe. Kurz zuvor hat die Allianz einen Rekordverlust vermeldet. Die Dresdner Bank erweist sich zusehens als Fehlkauf. Dann kommt Diekmann. Er verspricht, den Konzern wieder auf Kurs zu bringen, zurück in die Liga der erfolgreichsten Versicherer der Welt.

Drei Jahre später ist die Allianz zurück in der Gewinnzone. 2009 sind die Münchner nach Umsatz und operativem Ergebnis die Nummer eins in der Branche weltweit. Und 2015? Im Rückblick hat sich unter Diekmann der Umsatz der Allianz verdoppelte. Die Marktkapitalisierung ist heute dreimal so hoch wie 2003. Das operative Ergebnis hat sich versiebenfacht, das Dividendenergebnis verachtfacht.

Zum Abschied bescherte Diekmann der Allianz einen Rekord

Zum Abschied bescherte Diekmann der Allianz im vergangenen Jahr – trotz Niedrigzins – einen Rekord. Der Umsatz überstieg erstmals die 122-Milliarden-Euro-Marke. Unterm Strich stand ein Gewinn von 6,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden stieg um zwei Millionen auf 85 Millionen. Von diesem Wachstum sollen auch die Aktionäre profitieren. Erstmals werden bei der Allianz 50 Prozent anstatt 40 des Konzernjahresüberschusses ausgeschüttet. Das entspricht aktuell einer Rekorddividende von 6,85 Euro je Aktien (2014: 5,30 Euro).

Auch der Start 2015 ist geglückt, wie die Allianz erst am Mittwoch mitteilte. In den ersten drei Monaten erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz in Höhe von 37,8 Milliarden Euro (erstes Quartal 2014: 34 Milliarden). Ein Plus von gut elf Prozent. Auch das operative Ergebnis kann sich mit 2,86 Milliarden Euro (2,72) sehen lassen. Der Gewinn lag mit 1,86 Milliarden Euro elf Prozent über dem Vorjahr. Seinem Nachfolger Oliver Bäte (siehe unten) überlässt Diekmann ein gut bestelltes Haus.

Doch zurück zu den Anfängen: Unter Diekmann wurde die Allianz umgebaut – 2006 zur Allianz SE. Er führte den Konzern beinah unbeschadet durch die Finanzkrise. Zweifellos zählt zu seinen größten Erfolgen der Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank 2008 – auch wenn daran der Bund nicht unbeteiligt war.

„Die Allianz steht heute so gut da, weil es Ihnen gelungen ist, die Dresdner Bank auf dem Gipfel der Finanzkrise loszuschlagen“, lobt Ingo Speich von Union Investment den scheidenden Chef. Diekmann sei ein „Garant für Verlässlichkeit“ gewesen. „Sie haben die Allianz sehr gut und sicher durch Krisen geführt“, pflichtet ihm Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapiere (DSW), bei.

Krise bei US-Fondstochter Pimco

„Es war intensiv, hat aber immer Spaß gemacht“, lautet Diekmanns ganz persönliche Bilanz. Intensiv war in den vergangenen Monaten vor allem die Krise bei der US-Fondstochter Pimco. Nachdem der Starinvestor Bill Gross im September 2014 das Unternehmen verlassen hatte, zogen die Kunden Milliarden ab.

Seit Jahresbeginn seien die Mittelabflüsse allerdings Monat für Monat weniger geworden, beteuert Diekmann. „Es scheint, dass wir die Auswirkrungen des Führungswechsels damit hinter uns gelassen haben.“ Seine Prognose für Pimco ist positiv. Auch den Verkauf des verlustreichen Privatkundengeschäfts der US-Tochter Fireman’s Fund brachte Diekmann in seinen letzten Monaten an der Spitze noch unter Dach und Fach.

Einen Strategiewechsel erwarten die Aktionäre nicht von Diekmanns Nachfolger – nicht vor dem Hintergrund der erfolgreichen vergangenen Jahre. „Ein Weiter-so geht aber auch nicht – dafür sind die Herausforderungen zu groß“, mahnt Daniela Bergdolt an die Adresse von Oliver Bäte. Neben der Niedrigzinspolitik der EZB, die der gesamten Branche zu schaffen macht, dürfte die Digitalisierung die größte Baustelle sein, um die sich Bäte im Konzern kümmern muss.

Viele hätten Diekmann gerne noch ein paar Jahre länger an der Allianz-Spitze gesehen. Er wolle mehr Zeit für seine Familie haben, erklärte Diekmann jedoch im vergangenen Jahr. Der 60-Jährige ist vor einigen Jahren noch einmal Vater geworden. Um die Allianz wird sich Diekmann in zwei Jahren dann wieder verstärkt kümmern. Es gilt als ausgemachte Sache, dass er dann die Nachfolge von Helmut Perlet im Allianz-Aufsichtsrat übernimmt. Mal sehen, wie viele Jahre er an seine bisher 27 bei der Allianz dann noch anhängen wird.

Manuela Dollinger

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