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Das Verwaltungsgebäude der HypoVereinsbank in München.

Chefwechsel bei der HypoVereinsbank - Weimer folgt auf Sprißler

München - HypoVereinsbank-Chef Wolfgang Sprißler dürfte in diesen Tagen der einzige Bankvorstand in Deutschland sein, der von seinen Kollegen beneidet wird: Inmitten des schwersten Sturms in der Bankenbranche darf sich der 63-Jährige zum Jahresende in den Ruhestand verabschieden.

Zum 1. Januar übernimmt Theodor Weimer als neuer Chef das Ruder bei der UniCredit-Tochter mit mehr als 20 000 Mitarbeitern. Er steht vor der Mammutaufgabe, die HypoVereinsbank durch die Krise zu steuern und es dabei der Konzernmutter in Italien recht zu machen, ohne Kunden und Mitarbeiter vor den Kopf zu stoßen.

Verlassen kann sich Weimer dabei vor allem auf seinen guten Draht nach Mailand - zu UniCredit-Chef Alessandro Profumo. Der Zwei-Meter- Mann war von Anfang an begeistert von seiner Neuentdeckung in München und verhalf Weimer zu einer Blitzkarriere bei der HypoVereinsbank. Obwohl er erst im Jahr 2007 von Goldman Sachs zu der Bank kam, wurde Weimer schon im April 2008 im Alter von 48 Jahren zum Nachfolger von Sprißler ausgerufen. “Weimer ist zwei Etagen hochgefallen - das macht Profumo nur, weil er sich ganz sicher ist“, heißt es in Bankenkreisen.

Theodor Weimer

Begonnen hatte Weimer seine Karriere bei McKinsey, wo er sieben Jahre lang tätig war. Von dort wechselte er zur Unternehmensberatung Bain & Company und ging 2004 zur Investmentbank Goldman Sachs. Mit diesem Lebenslauf empfahl sich der gebürtige Franke als Leiter der Investmentbanking-Sparte in München. Als künftiger Chef der HypoVereinsbank wird sich Weimer aber auch ums Privatkundengeschäft kümmern, das im Zuge der Lehman-Pleite bei allen Banken wieder in Mode gekommen ist. “Wir haben überall auf der Welt ein großes Rad gedreht und dabei viel Geld verdient“, sagte er im November in einem Interview. Nun gelte es, künftig wieder kleinere und vielleicht dauerhaft gesündere Brötchen zu backen.

Im dritten Quartal machte die Finanzkrise auch der HypoVereinsbank schwer zu schaffen. Unterm Strich wies die Bank einen Verlust von 285 Millionen Euro aus nach 83 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte sie erst gar nicht. Wegen des schwierigen Umfelds ist ein deutlicher Personalabbau bei der HypoVereinsbank bereits beschlossene Sache. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di fallen rund 2500 Stellen weg, ein Großteil davon in München. Offiziell verkünden werde die Bank die Einschnitte Anfang des Jahres.

Dennoch setzt ver.di gerade in der Krise große Hoffnungen in Weimer als Mittler zwischen München und Mailand. “Ich bin guter Hoffnung, dass wir eine vernünftige Kommunikation miteinander haben und gemeinsame Lösungen finden werden, die wir auch nach Italien tragen“, sagte ver.di Bankexperte Klaus Grünewald. Er schätzt Weimer vor allem für seine entschlossene Art. “Er hat seinen eigenen Kopf und ist niemand, der zaudert und zögert.“

Die Mitarbeiter der Bank werden sich mit dem Generationswechsel auch an einen neuen Führungsstil gewöhnen müssen. Während Weimer die Generation der neuen Chefs verkörpert, die den Austausch mit Mitarbeitern suchen, galt Sprißler als Vorstand vom alten Schlag, dem vor allem die Zahlen wichtig waren. Er hatte seine Karriere vor mehr als 30 Jahren bei der damaligen Bayerischen Vereinsbank begonnen und kennt die Bank wie kein anderer.

Er wollte eigentlich schon mit 60 in den Ruhestand gehen, machte dann aber völlig unerwartet Anfang 2006 noch den Karrieresprung auf den Chefsessel. Weil sich damals im Zuge der UniCredit-Übernahme fast alle anderen Vorstände aus dem Staub machten, kam er zu neuen Ehren. Als Friedensstifter bei der Integration der HVB in die UniCredit hat er sich dabei aus Sicht von Experten bewährt. “Seinen Ruhestand im zweiten Anlauf hat er sich jetzt verdient.“

Von Daniela Wiegmann, dpa

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