Chemie-Terror? Versicherer wollen nicht für Flugzeug-Anschläge haften

- München - Den Fluggesellschaften könnte nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre neues Ungemach drohen: Die großen Rückversicherer wollen offenbar die Haftung für spezielle Terrorrisiken nicht mehr übernehmen. Dabei gehe es um Attentate mit atomaren, chemischen und biologischen Stoffen, berichtete die "Financial Times Deutschland". Dazu zählten auch so genannte Dirty Bombs, das sind Sprengkörper, die konventionell gezündet werden und verseuchtes Material weit streuen. Sollte der Staat nicht einspringen, könnte das für die Airlines bedeuten, dass sie am Boden bleiben müssten.

<P>"Ohne Staatshaftung besteht die Möglichkeit, dass der Flugverkehr eingestellt werden muss, wenn die Versicherer wie angekündigt ihre Terrordeckung kündigen", zitierte die "FTD" Lufthansa-Versicherungs-Chef Ralf Oelßner. Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck betonte allerdings, es handle sich um ein rein theoretisches Risiko. "Praktisch ist es völlig abwegig. Die Flugzeuge bleiben nicht am Boden." Derzeit diskutiere die Branche das Thema mit den Versicherern. "Es wird eine sachgerechte Lösung gefunden", zeigte sich Ellerbeck überzeugt.<BR><BR>Parallel dazu sei die EU-Kommission eingeschaltet worden. "Es darf keine Regelung geben, die den europäischen Luftverkehr benachteiligt", betonte der Sprecher. Denn in den USA haftet die Regierung noch bis 2008 für Terrorismusschäden. Zugleich wies Ellerbeck darauf hin, dass die Diskussion nicht vergleichbar sei mit den Ereignissen 2001. Nach dem 11. September hatten die Versicherer praktisch über Nacht ihre Policen gekündigt und die Staaten hatten vorübergehend die Haftung übernommen. Dieses Mal gehe es dagegen nur um Einzelfragen bei den Verträgen, sagte der Lufthansa-Sprecher.<BR><BR>Dem Bericht zufolge hatte die Assekuranz die speziellen Risiken bisher auch schon aus Standardverträgen ausgeschlossen, sie aber gegen Zahlung eines Zusatzbeitrags versichert. Jetzt sei den Versicherern das Risiko zu groß geworden. Sie befürchteten, dass Terroristen beispielsweise ein Flugzeug mit chemischen Kampfstoffen beladen und über einer Großstadt explodieren lassen könnten. Das würde zu gigantischen Haftpflichtansprüchen führen, schrieb das Blatt. "Wir wollen diese Risiken nicht mehr versichern, sie sind unkalkulierbar geworden," zitierte das Blatt eine Sprecherin des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück. Bei der Allianz hieß es, eine Entscheidung zu der Deckung der speziellen Terrorrisiken sei noch nicht gefallen.<BR><BR>In London, dem Zentrum der Weltluftfahrtversicherung, ist dem Bericht zufolge die Entscheidung schon gefallen. Die Lloyd/s Aviation Underwriting Association habe eine neue Klausel entwickelt. Diese schließe Dirty Bombs und andere Terrorwaffen aus der Deckung aus und erkläre sie für unversicherbar.<BR><BR>Luftfahrtunternehmen sind durch internationale Verträge gezwungen, ihre Haftung gegenüber Dritten und Passagieren durch eine Versicherung abzudecken. Nach dem Montrealer Übereinkommen dürften sie ohne Versicherung nicht fliegen. "Wenn die Ausschlüsse greifen haben wir keinen Versicherungsschutz für Terrorrisiken mehr", wurde Oelßner zitiert. "Wir dürfen andere Länder nicht mehr überfliegen". Wenn die EU-Kommission nicht ein Marktversagen feststelle und staatliche Lösungen erlaube, stünden die Flieger am Boden.<BR></P><P> </P>

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