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Steigende Nahrungsmittelpreise heizen die Inflation in China weiter an.

China: Angst vor hoher Inflation

Peking - Die Preise in China steigen unerwartet stark - die Regierung fürchtet um die soziale Stabilität. Doch die Zentralbank darf der zweitgrößten Wirtschaftsmacht nicht zu sehr den Hahn abdrehen.

China steckt in einer heiklen Lage. Einerseits muss die rasant steigende Inflation bekämpft werden, andererseits darf die Wirtschaft nicht zu stark gebremst werden. Eine “harte Landung“ der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde könnte den weltweiten Konjunkturaufschwung schwächen - gerade in einer Zeit, wo ein Ende der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern nicht abzusehen ist und auch die Wirtschaft in den USA nicht in die Gänge kommen will.

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Der unerwartet starke Anstieg der Inflation in China um 6,4 Prozent im Juni auf ein Drei-Jahres-Hoch erschwert die Bemühungen der Zentralbank. Das Wachstum in China dürfte sich nach den Erwartungen von Experten von 9,7 Prozent im ersten Quartal auf 9,3 Prozent im zweiten abgeschwächt haben.

Der Inflationsdruck ist unverändert stark. Der Erzeugerpreisindex stieg im Juni um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - damit dürfte auch in nächster Zeit ein Anstieg der Verbraucherpreise zu erwarten sein. Politisch besonders heikel ist die Explosion der Nahrungsmittelpreise, die im Juni sogar um 14,4 Prozent zulegten.

Chinas kommunistische Führung bangt denn auch um den sozialen Frieden. “Alles wird teurer“, stöhnen viele Chinesen. Der Ärger wächst, weil das Geld in der Tasche immer knapper wird. Heute müssen die Menschen immerhin 39 Prozent mehr für ihre Lebensmittel bezahlen als noch vor einem Jahr. Schweinefleisch ist sogar um 57 Prozent teurer.

Nahrungsmittelpreise treiben Inflation an

Hier liegt auch die treibende Kraft hinter der Inflation. Nahrungsmittel tragen zu einem Drittel zum Preisindex bei - Schweinefleisch allein zu einem Zehntel. Der zunehmend Wohlstand in China lässt Chinesen mehr Fleisch und Milchprodukte essen und treibt damit die Nachfrage nach oben. Das Angebot reicht aber nicht.

Die Mehrzahl der Schweine wird von Kleinbauern gezüchtet. Als die Schweinefleischpreise im Sommer 2009 im Keller lagen, schlachteten viele ihre Säue, weil sich die Zucht nicht mehr lohnte. Das rächt sich jetzt, eineinhalb Jahre später, mit einem Mangel an Schweinefleisch. Auch die Kosten sind gestiegen: In der Industrie werden höhere Löhne gezahlt, da wachsen auch die Lohnforderungen in der Landwirtschaft.

Für viele Schweinezüchter stimmt das Verhältnis von Kosten und Ertrag nur noch, wenn die Preise auf dem heutigen Niveau bleiben. Für das Futter spielt der steigende Maispreis eine wichtige Rolle. Nicht nur in China, sondern weltweit steigen die Getreide- und Nahrungsmittelpreise auf Höchststände. Ursache sind geringe Ernten und erhöhte Nachfrage - gerade aus China.

Mehr Importe notwendig

Das bevölkerungsreichste Land der Erde muss mehr auf dem Weltmarkt einkaufen, um sein Milliardenvolk ernähren zu können. Erst in der vergangenen Woche orderte China in den USA 540 Millionen Tonnen Mais - mehr als US-Experten für das ganze Jahr erwartet hatten. Dabei ist China selbst der zweitgrößte Maisproduzent der Welt.

Der Schweinefleischmangel, der die Inflation in China anfacht, wird teils auch durch die Kreditbremsen ausgelöst, mit denen die Inflation eigentlich bekämpft werden soll. Als Folge sind Schlachthöfe heute nicht mehr flüssig genug, um den Bauern das Fleisch abzukaufen, was zur Knappheit beiträgt. Die straffere Geldpolitik macht überhaupt vielen Unternehmen zu schaffen. Vor neuen Zinserhöhungen wird gewarnt.

Fünfmal hat die Zentralbank seit Oktober schon den Leitzins erhöht, neunmal die Kapitalanforderungen für die Mindestreserven der Banken, um Liquidität abzuschöpfen. Viel Spielraum bleibt da nicht mehr. Zwar äußern viele Experten die Erwartung, dass sich der Anstieg der Preise in der zweiten Jahreshälfte abschwächt, doch herrscht Einigkeit, dass der Inflationsdruck weiter “groß“ bleibt, wie die Zentralbank erst vergangene Woche warnte.

dpa

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