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Sorge vor neuen Lockdowns in China: Drohen erneut Lieferengpässe?

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Von: Astrid Theil

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Xi Jingping
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. © Huang Jingwen/XinHua/dpa

Die deutsche Wirtschaft fürchtet aufgrund Chinas „Null Covid“-Strategie erneute Lieferengpässe. Wirtschaftsexperten sehen Konfrontationskurs zwischen China und dem Westen problematisch.

Peking/Berlin - Die chinesische Führung setzt aktuell alles daran, die Verbreitung der Omikron-Variante im Land zu verhindern - und das trotz, beziehungsweise wegen der Olympischen Spiele. Im Falle einer Ausbreitung von Omikron ist bei dieser Taktik erneut mit strengen Lockdowns in China zu rechnen.

Vor dem Hintergrund dieser Strategie besteht die Befürchtung, dass es zu Störungen in den globalen Lieferketten kommen könnte. Besonders die Olympischen Spiele könnten dabei zum Superspreader-Event werden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt daher vor potenziellen Lieferengpässen. Aufgrund der „Null-Covid“-Strategie könnte China wieder Fabriken, Frachthäfen und erneut ganze Städte schließen.

Null-Covid-Strategie in China: Lockdowns drohen

Diese Lockdowns könnten der deutschen Wirtschaft schaden - vor allem vor dem Hintergrund, dass der Handelsverkehr aktuell nach wie vor noch weit von den Verhältnissen entfernt ist, wie sie vor der Corona-Pandemie bestanden. Zu dieser Einschätzung kam nach Berichten der ARD der Konjunktur-Experte Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Er glaube, dass dieses Szenario nicht nur wegen der Olympischen Spiele, sondern überhaupt aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr beim Omikron-Virus wahrscheinlich ist. Solange China bei seiner Strategie im Umgang mit der Corona-Pandemie bleibe, komme es wahrscheinlich immer wieder zu strengen Lockdowns. Es stelle sich die Frage, ob China von der „Null Covid“-Strategie abrücken sollte, da die Omikron-Variante zwar ansteckender, aber weniger gefährlich sei als andere Corona-Varianten.

Hoffen auf ein Umdenken in Chinas Umgang mit Omikron

Ähnlich besorgt ist der Internationale Währungsfonds (IWF)*. Wie die ARD berichtet, hat dieser bereits zu einem Umlenken im Umgang der chinesischen Führung mit dem Coronavirus aufgerufen. Der IWF fürchtet ansonsten eine „bedeutsame Flaute“. Laut Einschätzung verschiedener Experten ist die Wahrscheinlichkeit, dass Peking von der Strategie abrückt, allerdings eher gering. Max Zenglein, Chefvolkswirt des Mercator Institute for China Studies, gab gegenüber der ARD an, dass er es für unwahrscheinlich hält: „Es wird die chinesische Covid-Politik sicherlich auf den Prüfstand stellen. Ich glaube allerdings, dass man es schaffen wird, es regional zu begrenzen“, so Zenglein. 

Es könnten viele Bereiche von der Wirtschaft betroffen sein, aber mit einem „Schock-Moment“ wie zu Beginn der Pandemie sei laut Zenglein nicht zu rechnen. Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, schätzt die Lage gegenüber der ARD ähnlich ein. Lieferungen an die deutsche Industrie könnten erneut gestört werden. Viel gefährlicher sei seiner Auffassung nach jedoch Chinas Strategie, vom Westen unabhängig zu werden. Es bilde sich zunehmend eine Konfrontation ab.

China und Westen zunehmend auf Konfrontationskurs

Dies zeigt sich auch im Zusammenhang der Olympischen Spiele. Eine Reihe westlicher Länder, darunter die USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Dänemark haben aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen durch Peking einen diplomatischen Boykott der Spiele verkündet. Während westliche Regierungsvertreter sich dazu entschieden haben, an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele* nicht teilzunehmen, zeigten sich der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jiping bei dieser Gelegenheit besonders freundschaftlich. (at)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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