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China: Immobilienkrise um Evergrande erfasst weitere Konzerne – ausländischen Anleihekäufern drohen Ausfälle

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Außenansicht des Wohnkomplexes Evergrande Metropolis in Huaian, Provinz Jiangsu.
Evergrande-Wohnkomplex in Huaian: Droht der komplette Zahlungsausfall? © Imago / VCG

Die Immobilienkrise in China erfasst immer mehr Konzerne. Gläubiger drängeln, Kurse fallen. Ausländischen Anleihekäufern drohen bei einer Umschuldung große Zahlungsausfälle.

Shenzhen/München – Die Immobilienkrise in China* um den hoch verschuldeten Evergrande-Konzern zieht immer weitere Kreise. Auch der Konzern Kaisa strauchelt und holte nun externe Berater zur Rettung an Bord. Die Firma Houlihan Lokey werde die Liquidität bewerten und mögliche Lösungen untersuchen, teilte Kaisa am Montag in der südchinesischen Metropole Shenzhen mit. Auch bei Evergrande werden die Aussichten immer düsterer. Nach Fitch stufte derweil als zweite internationale Rating-Agentur auch Standard and Poors die Kreditwürdigkeit von Evergrande herunter - auf Kreditausfall in einigen Bereichen, den so genannten „Restricted Default“*. Damit sehen diese Agenturen Evergrande nur noch eine Stufe über dem kompletten Zahlungsausfall. Droht nun das Ende?

Fitch hatte vor eineinhalb Wochen neben Evergrande auch Kaisa heruntergestuft. Das Unternehmen hatte zuvor eine am 7. Dezember fällige vorrangige Anleihe in Höhe von 400 Millionen US-Dollar (356 Mio Euro) nicht zurückgezahlt. Zudem blieb es die Zinsen für zwei Dollar-Anleihen zum Ablauf einer Nachfrist schuldig. Und auch die auf Immobilien spezialisierte Investmentgesellschaft Shimao Group aus Hongkong stufte Fitch auf „Ramschniveau“ herab. Shimao hat in China viele Wohnanlagen und Einkaufszentren entwickelt. Auch der Konzern Fantasia musste immer wieder Zahlungsprobleme melden.

Chinas Immobilienfirmen: Aktionäre auf der Flucht

Die Anleger sind jedenfalls auf der Flucht. In Hongkong fielen die Aktienkurse der chinesischen Immobilienentwickler auf das niedrigste Niveau seit fünf Jahren. Nach zwei Wochen Handelsstopp sackte der Kurs der Kaisa-Aktien dort am Montag um 14 Prozent ab. Seit Jahresbeginn haben die Kaisa-Papiere rund 75 Prozent eingebüßt.

Die Sorgen um Verluste für Investoren schickten auch an Chinas Börsen die Aktien von Immobilienfirmen auf Talfahrt. Der Konzern Sunac verlor dort um 18 Prozent, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtete.

China: Die Regierung hilft den Immobilienkonzernen noch immer nicht

Was Anleger und Wohnungskäufer besorgt: Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat der Staat keinerlei Rettungspaket angekündigt. Chinas Regierung scheint an Evergrande ein Exempel statuieren zu wollen. Zentralbankchef Yi Gang signalisierte kürzlich*, dass der Staat nicht mit Finanzhilfen unter die Arme greifen werde. Er setzt demonstrativ auf den Markt, um die Probleme zu lösen. In den letzten Monaten hatte die Regierung zudem die Hürden für die Kreditaufnahme der lange auf Pump gewachsenen Konzerne und spekulative Wohnungskäufe* höher gelegt.

Trotzdem ist das überraschend, denn die Regierung in Peking betont derzeit wieder öffentlich die große Bedeutung der sozialen und wirtschaftlichen Stabilität. Dazu gehört auch, dass man allzu große Erschütterungen des Finanzsystems verhindern will. Rund eineinhalb Millionen Käufer warten zudem auf die Fertigstellung ihrer Wohnungen, für die sie Evergrande bereits viel Geld bezahlt haben. Ebenso warten Zulieferer der Immobilienkonzerne auf Geld für Leistungen. Als die Zahlungsprobleme begannen, hatte Evergrande außerdem an eigene Angestellte Vermögensbildungsprodukte ausgegeben, deren Zukunft nun ungewiss ist. Wenn Evergrande zusammenbricht, stehen also Tausende Gläubiger aus ganz verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit leeren Händen da.

Im Ausland drohen vor allem den Käufern von Dollar-Anleihen der betroffenen Firmen Zahlungsausfälle. Bei einer Umstrukturierung der Kreditlasten werden sie vermutlich größere Abschläge hinnehmen müssen. Der Prozess könnte sich lange hinziehen, und gerichtlich werden ihnen wenige Chancen eingeräumt. Denn ihre Forderungen werden angesichts der sozialen Frage wohl kaum ganz oben auf der Prioritätenliste der Regierung stehen. Große Investmentfirmen werden China aus politischen Gründen zudem wohl nur ungern auf die Füße treten wollen. (ck/dpa)

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