China importiert deutsche Ausbildung

- Peking - "Exportmeister bei Arbeitsplätzen" titelte ein Magazin über den Standort Deutschland. Nun erweist sich ein weiteres deutsches Produkt zunehmend als Exportschlager: Die duale Berufsausbildung mit ihrer Mischung aus Theorie und Praxis.

<P>Zu teuer, zu wenig flexibel, rümpfen Wirtschaftsforscher ohne Werkbank-Erfahrung gern die Nase, wenn sie über einheimische Facharbeiter oder Handwerker sprechen. Aus dem Ausland wird der Blick auf etwas ganz anderes gerichtet: einfach besser, lautet hier das Urteil.<BR><BR>Allerdings muss dieser Vorsprung, der überdies in Deutschland kaum wahrgenommen wird, nicht von Dauer sein. Jetzt versucht China mit hohem Aufwand, die deutsche Facharbeiter- und Handwerker-Ausbildung zu übernehmen. Vor allem ein Projekt der Handwerkskammer für Oberfranken könnte richtungweisend sein. Denn neben einem Projekt am Berufsbildungszentrum Jin Ling in der Stadt Nanjing, in dem am Ende wie in Deutschland der Gesellen- oder Meisterbrief steht, kooperieren deutsche Ausbildungsexperten auch mit Hochschulen im Reich der Mitte. <BR>Der theoretische Teil der Ausbildung der künftigen deutsch-chinesischen Handwerker findet dabei in China statt, der praktische Teil im Wesentlichen in deutschen Ausbildungsstätten und -betrieben. Geld gibt es für die Gast-Lehrlinge aus China nicht. Im Gegenteil: Diese finanzieren sich ihre Ausbildung selbst. Sie müssen vorher die deutsche Sprache lernen. In diesem Projekt geht es um handwerkliche Ausbildungsgänge, die auf den Einsatz in Kfz-Werkstätten abzielt.<BR><BR>In anderen Kooperationen auf Industrie-Ebene werden auch deutsche Facharbeiterqualifikationen (vorwiegend für die Fahrzeugproduktion) nach China exportiert.<BR><BR>Horst Eggert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken, betrachtet das rege Interesse aus der Volksrepublik als gutes Zeugnis. Der Ruf des "Made in Germany" sei "letztendlich auf die hohe Qualifikation der deutschen Wirtschaft auf der Facharbeiter und Technikerebene" zurückzuführen. In Deutschland, so Eggers, "wird oft verkannt, welche Bedeutung die berufliche Bildung für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat".<BR><BR>Das Interesse aus China erstreckt sich nicht nur auf die Ausbildung von künftigen Kfz-Technikern und Mechatronikern. Anders als bei Deutschen Ingenieuren, die eine berufliche Ausbildung allenfalls freiwillig und in aller Regel vor dem Studium absolvieren können, sind an der Normal University von Schanghai die in dieser Ausbildung vermittelten praktischen Kenntnisse künftig Teil des Ingenieurs-Studiums. Wer ein Diplom erwirbt, muss also zusätzlich können, was ein deutscher Kfz-Techniker oder Mechatroniker gelernt hat. Der Gesellenbrief gehört zum Studium. Den Meisterbrief können angehende Ingenieure zusätzlich erwerben.<BR><BR>"In Deutschland sind berufliche Bildung und Universitätsausbildung noch weitgehend getrennt", kritisiert Kurt Seelmann, Präsident der Handwerkskammer. Dagegen werde in Schanghai der hohe Stellenwert der Gesellen- und Meisterprüfung von Anfang an mit der Hochschulausbildung verknüpft um den Praxisbezug zu gewährleisten.</P>

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