China löst heimische Währung von Dollar-Bindung

- Peking - China hat nach mehr als einem Jahrzehnt überraschend die heimische Währung von der Dollar-Bindung gelöst. Zugleich wurde der Yuan aufgewertet und an einen Währungskorb gebunden. Das Wechselkurssystem werde flexibler, teilte die Notenbank am Donnerstag in Peking mit. Führende Industrienationen, vor allem die USA, hatten seit längerem eine Aufwertung und Flexibilisierung der chinesischen Währung verlangt. Die Entscheidung Pekings wurde als erster Schritt in die richtige Richtung bewertet.

Der Wechselkurs der chinesischen Währung zur US-Währung wurde neu auf 8,11 Yuan für einen Dollar festgesetzt und damit um 2,1 Prozent aufgewertet. Obwohl seit langem erwartet, hat die Entscheidung Chinas die Märkte überrascht. Der US-Dollar gab als Reaktion weltweit gegen alle führenden Währungen nach. Der deutsche Rentenmarkt rutschte zeitweilig in die Verlustzone. Der Aktienmarkt baute seine Kursgewinne dagegen aus.Seit 1994 war der Yuan fest an den Dollar gebunden, zuletzt mit einer minimalen Spanne: 8,2765 Yuan für einen Dollar. Die Spanne von plus/minus 0,3 Prozent soll nach Angaben der Notenbank in Peking auch künftig beibehalten werden. Die Notenbank will täglich einen Kurs festlegen.Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sprach von einem positiven Schritt. "Davon dürfte auch die deutsche Wirtschaft profitieren", sagte Eichel in Berlin. Darüber hinaus geht er davon aus, dass die Aufwertung auch zu einem "ausgewogeneren Wachstum" der chinesischen Wirtschaft beiträgt.Die Aufwertung der chinesischen Währung war seit langem von Europa und den USA gefordert worden, weil der Wirtschaftsboom Chinas und das kräftige Exportwachstum durch die niedrig bewertete Währung des Landes begünstigt wurden. Besonders die USA haben angesichts ihres hohen Handelsdefizits mit China auf eine Aufwertung des Yuan gedrängt.Die chinesische Notenbank gab die Zusammensetzung des neuen Währungskorbs noch nicht bekannt. Der Kurs des Yuan zu den anderen Korbwährungen werde - in später noch genauer zu benennenden Bandbreiten - frei schwanken, hieß es. Die Notenbank werde entsprechend der Marktentwicklung sowie der wirtschaftlichen und fiskalischen Situation Anpassungen vornehmen.Noch am Rande des Gipfeltreffen der führenden Industriestaaten und Russlands (G8) Anfang Juli im schottischen Gleneagles gab es aus China kein Signal, die feste Bindung des Yuan zum Dollar aufzugeben. Experten halten den Yuan um bis zu 40 Prozent für unterbewertet. China machte jedoch klar, dass es nur eine vorsichtige Reform verfolgt, um die eigene Exportindustrie nicht zu gefährden. Anders als die USA mit ihrem enormen Haushalts- und Handelsdefizit ist die Handelsbilanz Chinas weitgehend ausgeglichen. Gefahren werden auch für das marode chinesische Bankensystem durch eine zu starke Aufwertung gesehen.Die Aufwertung des Yuan ist nach Einschätzung von Experten denn auch geringer als erwartet ausgefallen. "Der Markt hatte einen deutlicheren Schritt nach oben erwartet", sagte Devisenhändler Jan Koczawa von der Heleba. "Immerhin: Es ist der erste Schritt - der Markt rechnet nun mit weiteren", sagte Koczawa.Volkswirte zeigten sich insbesondere über den Zeitpunkt der Maßnahmen in China überrascht. China hat nach Einschätzung der HVB einen relativ großen Schritt in Richtung Wechselkursflexibilisierung gemacht. "Das ist aber nur der erste Schritt", sagte HVB-Experte Armin Mekelburg. Aus Sicht von Analyst Boris Schlossberg von Forex Capital Markets ist Japan größter Profiteur der Aufwertung des Yuan. Der Weg hin zu einem frei schwankenden Wechselkurs sei aber noch lang.

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