China muss Spritpreise drastisch erhöhen

München/Peking - Die Volksrepublik kann sich ihre niedrigen Kraftstoffpreise nicht mehr leisten. An den Tankstellen haben sich Benzin und Diesel über Nacht um ein Fünftel verteuert.

China, der nach den USA zweitgrößte Ölverbraucher, hat zur Eindämmung des Verbrauchs die Treibstoffpreise deutlich angehoben. Benzin wurde am Freitag um 16 Prozent und Diesel sogar um 18 Prozent verteuert, wie die nationale Entwicklungs- und Reformkonferenz mitteilte. Vor der Umstellung hatten sich deswegen lange Schlangen an den Tankstellen gebildet. Für europäische Verhältnisse sind die Kraftstoffpreise in China aber noch immer sagenhaft günstig: Sprit kostet nun je nach Qualität 6,20 bis 7,17 Yuan je Liter, was 58 bis 67 Euro-Cent entspricht.

Einige Analysten hoffen nun, dass dadurch die enorme Nachfrage in China sinkt und sich der Rohölpreis auf dem Weltmarkt entspannt. Andere befürchten hingegen, chinesische Raffinerien könnten nun zu einer Produktionssteigerung animiert werden, was die Nachfrage nach Öl weiter anfeuern würde. Der Ölpreis war nach der Ankündigung der chinesischen Pläne am Donnerstag zunächst um rund fünf Dollar auf knapp 132 Dollar gesunken. Am Freitag legte er aber wieder leicht zu: Ein Standardfass (159 Liter) Leichtöl kostete in New York zeitweise 132,16 Dollar und lag damit 23 Cent über dem Schlusskurs vom Vortag. Am Montag war er erstmals über 140 Dollar geklettert.

Nach Ansicht von Experten trug der wachsende Energiebedarf in China zum Höhenflug des Preises in den vergangenen Monaten bei. Das Land benötigt unter anderem seit dem schweren Erdbeben Mitte Mai enorme Mengen Diesel für Aufräum- und Aufbauarbeiten. Zwar hatte die Regierung die staatlich festgesetzten Treibstoffpreise bereits im November um rund elf Prozent angehoben, jedoch auf diesem Niveau eingefroren.

Viele chinesische Raffinerien hatten deshalb zuletzt ihre Produktion eingestellt, weil sie die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weitergeben und damit nicht mehr profitabel arbeiten konnten. Die Engpässe waren so schlimm, dass Lastwagen sich ein, zwei Tage vorher an der Tankstelle anstellen mussten, wenn mal wieder mit einer Lieferung Diesel gerechnet werden konnte. Auf der Autobahn bildeten sich kilometerlange Schlangen von Lastwagen vor den Raststätten - in der Hoffnung, irgendwann auftanken zu können.

Durch die Kluft zwischen dem hohen Ölpreis auf dem Weltmarkt und den eingefrorenen niedrigen Treibstoffpreisen in China hat der große staatliche Ölkonzern Sinopec, der die meisten Raffinerien betreibt, im ersten Quartal mehr als 20 Milliarden Yuan, umgerechnet 1,87 Milliarden Euro, verloren, wie die Zeitung "China Daily" berichtete. Sowohl PetroChina als auch der andere große Ölkonzern Sinopec werden allerdings mit staatlichen Subventionen entschädigt, was den Markt gleichwohl weiter verzerrt.

Wegen der hohen Inflation und vermutlich auch aus Sorge um die innere Stabilität vor den Olympischen Spielen in Peking hatten Chinas Wirtschaftsplaner bislang eine Erhöhung der Treibstoffpreise vermeiden wollen. Schon der Zuwachs der Nahrungsmittelpreise von 20 Prozent sorgte für erhebliche Unruhe im Volk. Als im Mai aber die Inflation von 8,5 auf 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging, schien eine Gelegenheit gekommen, da die wachsenden Versorgungsengpässe zunehmend die gesamte Wirtschaft belasteten.

Die Volksrepublik ist nicht das einzige Land, das die Kraftstoffpreise subventioniert und so künstlich niedrig hält. Analysten gehen davon aus, dass die Hälfte der Weltbevölkerung in den Genuss derartiger Zuschüsse kommt. Wegen der gestiegenen Rohölpreise können sich viele Regierungen die Ausgaben aber nicht mehr uneingeschränkt leisten. Neben China haben zuletzt auch Indien, Indonesien, Malaysia und Thailand Subventionen gekürzt und damit Preissprünge an den Zapfsäulen verursacht.

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