Corona-Ausbruch in Hafen

Mega-Schiffsstau in China lähmt Welthandel - Fatale Folgen fürs Weihnachtsgeschäft in Deutschland?

  • Markus Hofstetter
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Die Verwerfungen in der globalen Containerschifffahrt werden immer größer. Nun werden auch Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft in Deutschland befürchtet.

Kiel/Yantian - Es ist kein Ende in Sicht. Der Stau im Containerschiffsverkehr im Süden Chinas behindert weiterhin massiv die globalen Warenströme. „Die Anzahl wartender Containerschiffe im chinesischen Perlflussdelta ist ungewöhnlich hoch. Einzelne Häfen wie Yantian haben weniger als die Hälfte ihrer üblichen Containermenge verschifft“, berichtet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Montag (5. Juli) auf seiner Internetseite.

„Gegenwärtig sind bereits knapp fünf Prozent aller Containerschiff-Kapazitäten durch Staus an den chinesischen Häfen gebunden. Das ist mehr als in der ersten Corona-Welle.“ Im Roten Meer zwischen Nordafrika und der arabischen Halbinsel seien daher „aktuell zehn Prozent weniger Containerschiffe unterwegs als zu erwarten wäre“, heißt es weiter.

Mega-Schiffsstau in China lähmt Welthandel: Hafen Yantian macht größere Probleme als „Ever Given“-Havarie

Der Stau in Yantian wurde ausgelöst durch einem Corona-Ausbruch unter Hafenarbeitern Mitte Mai. Da der Hafen einer der bedeutendsten Umschlagsplätze für den Außenhandel Chinas ist, führt dies inzwischen sogar zu größeren Problemen als die Havarie des Containerfrachters „Ever Given“ im Suezkanal Ende März. In Yantian waren 2020 rund 13,3 Millionen 20-Fuß-Standardcontainer worden. Nach Angaben des japanischen Finanzunternehmens „Nomura“ macht das mehr als zehn Prozent des chinesischen Containerumschlags im Außenhandel aus.

Die weltgrößte Container-Reederei „Maersk“ hatte ihren Kunden zwar zuletzt am Freitag (2. Juli) signalisiert, dass sich die Überlastung in Yantian allmählich auflöse - „aber es ist zu beachten, dass wenn ein Hafen betroffen ist, dies zu einer Abwärtsspirale für benachbarte Häfen werden kann“. Auch an deutschen Häfen sind die Turbulenzen inzwischen spürbar.

Mega-Schiffsstau in China lähmt Welthandel: Engpässe werden sich im Weihnachtsgeschäft bemerkbar machen

Die durch Corona bedingten Störungen im weltweiten Containerschiffsverkehr sind auch eine der Ursachen für Materialengpässe in Europa. Sie sorgen nach Einschätzung vieler Volkswirte dafür, dass zum Beispiel die deutsche Industrie ihre Auftragsbücher derzeit nur zum Teil abarbeiten kann. So bremst der Chipmangel die deutschen Autohersteller aus.

Aufgrund des Staus könnten sich aber auch Preise und Lieferzeiten von Konsumprodukten in Deutschland erhöhen. "Die Abfertigungsengpässe im Hafen Yantian aufgrund von Terminalschließungen verschärfen die nach der Blockade des Suezkanals ohnehin angespannte Situation weiter", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Vereinzelt seien Preiserhöhungen und verlängerte Lieferzeiten bereits spürbar.

„Damit ist auch in den kommenden Monaten zu rechnen“, so Börner weiter. Auch das Weihnachtsgeschäft sei aufgrund frühzeitiger Vorbereitungen betroffen, insbesondere im Lebensmittelhandel: „Lange Lieferzeiten durch Verzögerungen in der Seefracht bringen natürlich die präzisen Planungen durcheinander.“

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