China schwebt künftig mit Tempo 100

München - China baut nun selbst einen Transrapid - und zwar einen recht langsamen. Möglicherweise ein höchst geschickter Schachzug. Denn das deutsche Hochgeschwindigkeitskonzept kann die wichtigsten Vorzüge der Magnetschwebetechnik gar nicht ausspielen.

In Shanghai, Standort der einzigen kommerziellen Transrapid-Strecke, sollen langsamere Magnetschwebebahnen für den Nahverkehr produziert werden. Wie die "Shanghai Daily" berichtete, plant das Unternehmen Shanghai Electric eine Fabrik für Magnetbahnen mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern.

Im vergangenen Jahr hatte der Bau einer Teststrecke für eine in China entwickelte Magnetbahn an der Shanghaier Tongji-Universität für Schlagzeilen gesorgt. Nach Angaben der Zeitung seien grundlegende Forschungen abgeschlossen und der Bau der Fabrik könne beginnen. Diese werde jährlich 60 Züge sowie 300 Streckenteile produzieren. Die Investitionen beliefen sich umgerechnet auf 31 Millionen Euro.

Damit gehen die Chinesen bewusst einen anderen Weg als die deutschen Transrapidbauer, die die Magnetschwebebahn als Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Großstädten präsentieren. Diese sehen die Vorteile der Technologie bei den heute erreichbaren 430 Stundenkilometern oder noch höheren Geschwindigkeiten und halten ihn - im Einklang mit den meisten Transrapid-Gegnern - als Nahverkehrsmittel für ungeeignet. Doch eben das trifft nicht zu.

Die systembedingten Vorteile des Transrapid gegenüber dem herkömmlichen Rad-Schiene-System schwinden sogar mit steigender Geschwindigkeit. Die besondere Stärke des Magnetschwebesystems liegt nicht in der hohen möglichen Geschwindigkeit, sondern in den guten Beschleunigungseigenschaften beim Anfahren, bei dem weder Roll- noch Haftreibung zu überwinden ist, beim Bremsen und - wenn das System entsprechend ausgelegt ist - auch bei der Überwindung großer Steigungen. Dies auch, weil die Motoren im Gleis integriert sind und damit das Fahrzeug nicht mit ihrem Gewicht belasten.

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Während bei Höchstgeschwindigkeit ein Transrapid fast so laut wird wie der auf der Schiene laufende ICE, ist er bereits bei Tempo 200 wahrnehmbar leiser als eine S-Bahn, die 120 Stundenkilometer schnell fährt. Bei Geschwindigkeiten unter 100 Stundenkilometern ist er sogar kaum hörbar. Das macht ihn für Innenstadt-Verkehr interessant - mit der Einschränkung, dass ein fast lautloses Verkehrsmittel neue Anforderungen an Sicherheitsvorkehrungen gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern stellt.

Auch beim Energieverbrauch ist ein langsamerer Magnetschwebezug mit vielen Stopps im Vorteil gegenüber entsprechenden Schienenfahrzeugen, weil er sich systembedingt viel besser zur Energierückgewinnung eignet als ein Zug, der sich seine Energie per Stromabnehmer aus der Leitung holt und sie beim Bremsen auf dem gleichen Weg wieder einspeist.

Auch Shanghai-Electric-Präsident Xu Jianguo setzt auf die Öko-Qualitäten des auf Nahverkehrs-Anforderungen abgebremsten Transrapid. "Die langsamere Magnetbahn ist leiser und umweltfreundlicher", sagte er. Auch in anderen Ländern wäre die Magnetschwebetechnik als Alternative etwa zu einer Art Regional-Express interessant - vor allem in Gegenden, wo noch kein ausgebautes Schienensystem vorhanden ist. Doch auch in der Stadt könnte das System Vorteile ausspielen, wo es sich vor allem nachts, wenn die Nachfrage der Fahrgäste nachlässt, auch zu einer fast geräuschlosen Güterversorgung  einsetzen lässt.

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