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China: Shenzhen sieht Covid-Ausbruch unter Kontrolle – Entwarnung für globale Lieferketten?

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Von: Christiane Kühl

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 Chinesische Mitarbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn arbeiten im Longhua-Werk.
Die Arbeit teilweise wieder aufgenommen: Mitarbeitende des iPhone-Herstellers Foxconn in Shenzhen © Ym Yik/epa/dpa

Die Welt fürchtet eine große Omikron-Welle in China. Dann wären erneut die globalen Lieferketten in Gefahr. Doch aktuell deutet sich überraschend eine vorsichtige Entspannung der Lage an.

Shenzhen/München – Die südchinesische Wirtschaftsmetropole Shenzhen* will die Produktionsbetriebe und Geschäfte wieder öffnen. Der lokale Ausbruch von Covid-19 scheine unter Kontrolle, teilten die lokalen Behörden am Donnerstag mit. Die 17-Millionenstadt befindet sich in der Mitte eines einwöchigen Lockdowns, während dessen sämtliche Bewohner getestet werden. In den letzten Tagen habe es weniger bestätigte Fälle aus diesen Tests in Wohngebieten gegeben, sagte ein Regierungssprecher. Die meisten neuen Fälle stammten demnach aus engen Kontakten bereits bekannter Fälle oder aus abgeriegelten Gegenden der Stadt.

Insgesamt scheint die Omikron-Welle in China* zumindest vorübergehend nicht weiter anzuschwellen. Am Donnerstag meldeten die Behörden landesweit 2400 neue Fälle, davon die Hälfte mit Symptomen. Am Mittwoch waren es noch 3000 gewesen, und Anfang der Woche sogar rund 5000. Nur 71 Fälle mit Symptomen entfielen am Donnerstag noch auf Shenzhen. Drei Distrikte meldeten gar keine neuen Fälle mehr. Unklar ist, ob die Fallzahlen aufgrund der Massentests in vielen Städten wieder ansteigen könnten, oder aufgrund der harten Maßnahmen weiter fallen. Es wäre ein fast überraschender Erfolg der Null-Covid-Politik im Kampf gegen die hochansteckende Omikron-Variante.

Shenzhen: iPhone-Hersteller Foxconn fährt Produktion wieder hoch

Für die Witschaft ist die leichte Entspannung eine gute Nachricht. Den von der aktuellen Welle sind mehrere bedeutende Produktions- und Handelszentren Chinas betroffen, darunter auch die Finanzmetropole Shanghai, in deren Umgebung viele deutsche Unternehmen produzieren lassen. Auch der Nordosten Chinas ächzt unter der Welle: Dort ist seit einer Woche die Millionenstadt Changchun im Lockdown. Volkswagen produziert dort mit seinem Joint Venture FAW-VW und legte vorübergehend gleich drei Werke still. Diese sollen nach VW-Angaben auch am Freitag noch geschlossen bleiben und damit länger als geplant. Auch ein Toyota-Werk war betroffen.

Shenzhen wiederum ist Standort einiger der bekanntesten Technologie-Unternehmen Chinas, darunter neben dem Telekommunikationsausrüster Huawei*, dem Elektroauto-Marktführer BYD Auto und dem Internetriesen Tencent* auch der iPhone-Vertagshersteller Foxconn. Der Apple-Partner hatte am Mittwoch nach einer kurzen Pause den Betrieb in der lokalen iPhone-Fertigungsstätte teilweise wieder aufgenommen*. Dafür wurden für die Beschäftigten „geschlossene Kreisläufe“ eingerichtet, wie das taiwanische Mutterhaus Hon Hai mitteilte. Das entspreche den Vorgaben der Stadtbehörden. Die meisten sind Wanderarbeiter und leben in Wohnheimen auf dem Gelände – wie bei vielen Fertigungsbetrieben in Südchina üblich.

Foxconn produziert in Shenzhen für die gesamte Welt. Nach Angaben der BILD-Zeitung stellen im Stadtbezirk Longhua in der sogenannten „iPod City“ mehr als 300 000 Mitarbeitende neben Apple-Produkten auch Bauteile für Sony, Nintendo und Hewlett-Packard her. Auch der Leiterplatten-Hersteller und Apple-Zulieferer Unimicron Technology suspendierte laut Bloomberg Teile seiner Produktion. Insgesamt waren in Shenzhen laut Bild mehr als 30 IT-Firmen geschlossen, darunter auch Produktionen von Touchscreens und anderen technischen Komponenten sowie Endgeräten. Offiziell soll der Lockdown in Shenzhen am Sonntag (20. März) enden.

Covid in China: Unsicherheiten bleiben

Doch bei allem vorsichtigen Optimismus bleiben Unsicherheiten. Shenzhen fürchtet unter anderem die weiter hohen Infektionsraten in dicht besiedelten Stadtvierteln, sowie Ansteckungen durch Einreisende. Die Stadt ist seit vielen Jahren ein Magnet für Menschen aus ganz China.

In Shenzhen in der südchinesischen Provinz Guangdong stehen Einwohner Schlange, um sich PCR-Tests auf Covid-19 zu unterziehen
Shenzhen weiter im Lockdown: Massentests in einer Wohngegend © STR/AFP/China Out

Auch für die Weltwirtschaft ist die Sache noch lange nicht ausgestanden. Vor Chinas Häfen werden die Staus von Containerschiffen täglich länger, da es überall entlang der Küste Beschränkungen oder lokale Lockdowns gibt. Und die Corona-Probleme in China schlagen zu in einer Zeit zu, in der das globale Umfeld für deutsche Unternehmen ohnehin schwierig ist. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wies am Donnerstag darauf hin, dass deutschen Unternehmen weltweit immer mehr Handelshürden und Protektionismus begegneten. Das habe sich im Zuge der Corona-Pandemie verstärkt und sei eine bedenkliche Entwicklung. sagte DIHK-Vizepräsident Ralf Stoffels. „Denn wir verlieren dadurch immer mehr Vorteile der internationalen Arbeitsteilung.“ (ck) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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