China will neue Transrapidstrecke bauen

- Peking - Die chinesische Regierung wird voraussichtlich noch diesen Monat grünes Licht für den Bau einer zweiten Transrapidstrecke geben. Dann könnten die konkreten Verhandlungen über die 170 Kilometer lange Strecke der Magnetschwebebahn beginnen.

Das berichtete der Sprecher von ThyssenKrupp, Alfred Wewers, am Donnerstag in Peking. Die geplante Verlängerung der Flughafenstrecke in Schanghai zum Gelände der Weltausstellung und weiter in die Nachbarstadt Hangzhou soll bis zur Expo 2010 fertig gestellt und regulär in Betrieb sein. "Dafür müssen die Verträge bis Mitte nächsten Jahres fertig sein, damit wir mit der konkreten Arbeit anfangen können."<P>Das Konsortium von ThyssenKrupp und Siemens kommt dem chinesischen Wunsch nach Technologietransfer entgegen und ist bereit, 80 Prozent ihres eigenen Lieferanteils in China produzieren zu lassen. "Es muss darüber gesprochen werden, ob dafür Joint Ventures gegründet werden oder in Lizenzfertigung produziert wird", sagte Wewers.</P><P>Die chinesischen Partner hatten mit dem Fahrweg bei der 30 Kilometer langen Flughafenstrecke schon einen Projektanteil von 50 Prozent, der bei der neuen, viel längeren Strecke noch steigen wird. Der Technologietransfer nach China habe aber seine Grenzen. ThyssenKrupp werde die Trag- und Führtechnologie, die den Kern der Transrapidtechnik ausmachen und vom Bund gefördert worden war, nicht hergeben. Siemens wiederum halte an seiner Leittechnik fest, hieß es.</P><P>In der Reform- und Entwicklungskommission in Peking wurde bestätigt, dass die Beratungen laufen und die Verhandlungen mit der deutschen Seite bevorstehen. Die Vorstudie war im Sommer in der mächtigen Kommission eingereicht worden, die derart große Projekte genehmigen muss. In letzter Zeit mehrten sich die Anzeichen, "dass die Regierung die Strecken haben will", wie Wewers sagte. Er verwies auch auf jüngste Äußerungen des Vorsitzenden der Akademie für Ingenieurwesen, Xu Kuangdi, der die Strecke nach Hangzhou als beschlossene Sache dargestellt hatte.</P><P>Die Fahrzeit auf den 170 Kilometern soll demnach nur 26 Minuten betragen. "Es gibt sehr positive Vorzeichen, dass die Entscheidung fällt oder gefallen ist", sagte Wewers. In der Entwicklungskommission in Schanghai hieß es, es werde jetzt nur noch auf die Anweisung aus Peking gewartet.</P><P>Über die gewünschte Kostenreduzierung beim Bau des Transrapids, der auf der Flughafenstrecke 30 Millionen Euro pro Kilometer gekostet hatte, konnte sich Wewers nicht äußern. Da der Fahrweg von chinesischer Seite gebaut werde und einen wesentlichen Anteil der Kosten ausmache, liege das an den Partnern. Nach chinesischen Informationen soll die Strecke nach Hangzhou etwa 20 Millionen Euro pro Kilometer kosten. Die bestehende Verbindung in Schanghai vom Flughafen Pudong zu einer U-Bahn-Station am Stadtrand mit rund sieben Minuten Fahrtzeit ist seit einem Jahr im regulären Betrieb, wird aber nicht wie erwartet genutzt.</P><P>Mit durchschnittlich 8000 Passagieren am Tag lagen die Einnahmen in diesem Jahr bei 130 Millionen Yuan (12 Millionen Euro), was nach Angaben der Zeitung "China Business Weekly" nicht einmal die Hälfte der jährlichen Zinszahlungen abdeckt.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Berlin (dpa) - Der Verband der Auslandsbanken rechnet wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Tausenden neuen Stellen am Finanzplatz Frankfurt.
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?
Banken dürfen keine Geschäfte mit Terroristen oder Geldwäschern machen. Für Informationen nutzen sie Datenbanken wie World-Check. Doch die soll auch Unbescholtene als …
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?
EZB schickt zwei italienische Krisenbanken in die Pleite
Die Bankenkrise ist eines der größten Probleme Italiens. Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die EZB hat nun genug - und trifft …
EZB schickt zwei italienische Krisenbanken in die Pleite
EZB: Italienische Krisenbanken sollen abgewickelt werden
Die Bankenkrise ist eines der größten Probleme Italiens. Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die Europäische Zentralbank hat nun …
EZB: Italienische Krisenbanken sollen abgewickelt werden

Kommentare